Fluten, Brände und Dürre: Hurra, die Welt geht unter!

Bereits vor zwei Jahrhunderten entdeckte Joseph Fourier den „natürlichen“ und einige Dekaden später Svante Arrhenius den „anthropogenen“ (menschengemachten) Treibhauseffekt. Im Laufe der Zeit prognostizierten weitere Studien immer schwerwiegendere negative Konsequenzen des Klimawandels von Fluten über Waldbrände bis hin zu Dürren. Eindeutig war daher der Appell an die Welt nach der ersten Weltklimakonferenz im Jahr 1979: Handelt, ansonsten wird es zu irreversiblen Folgen globalen Ausmaßes kommen! Nun sind die Folgen für jeden erkennbar da.

Der Status Quo

Mit der Ratifizierung des Kyoto-Protokolls von 1997 verpflichteten sich fast 200 Staaten dazu, den Ausstoß klimaschädlicher Gase bis zum Jahr 2012 gegenüber dem Ausstoß im Vergleichsjahr 1990 zu senken. Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, aber immer noch zu wenig. Die Ablösung durch das Pariser Klimaabkommen setzt mit der Begrenzung der Erderwärmung auf maximal 2 Grad, möglichst jedoch nur 1,5 Grad, ein deutlich ambitionierteres Ziel. Zudem sind auch Klima-Schwergewichte wie die USA, China und Indien, die dem Kyoto-Protokoll nicht folgten, Teil des Pariser Abkommens.

Bisher beruhen alle Klimaabkommen auf Freiwilligkeit; Sanktionierungsmaßnahmen sind nicht vorgesehen. Die bisherigen Maßnahmen sind offensichtlich aber nicht sehr zielführend, denn die weltweiten CO2-Emissionen steigen weiter. Studien prognostizieren ohne baldige radikalere Maßnahmen dunkle Zeiten für die Menschheit und eine Annäherung an den „Point of no return“: Bis 2050 könnte eine zum Großteil unbewohnbare Erde zum Zusammenbruch von Staaten und der internationalen Ordnung führen. 

Warum fällt eine (globale) Lösung so schwer?

Nüchtern betrachtet agiert jedes Land zunächst rational, wenn es schlichtweg nicht handelt. Grund dafür: Das Ökosystem ist ein Allmendegut, von dessen „Konsum“, also einer Nutzung, die Schäden verursacht und damit das Ökosystem „verbraucht“, kein souveräner Staat ausgeschlossen werden kann. Eine globale Ordnungsmacht, die ressourcensparendes Handeln durchsetzen könnte, gibt es nicht. Solange ein Land also Zugang zu fossilen Brennstoffen hat und diese verfeuern möchte, wird es dies auch tun. Gleichzeitig liegt jedoch eine Konsumrivalität zwischen den Ländern vor: Da die Erderwärmung auf maximal 2°C begrenzt werden soll, darf global nur eine bestimmte Menge an CO2 ausgestoßen werden. Diese Menge ist aktuell zu hoch und müsste reduziert werden.

Doch wie soll dies gelingen, wenn es jedem Land möglich ist, sich auf den äußerst praktischen Standpunkt zu stellen, dass doch zunächst die anderen Länder mit der Rückführung ihrer Emissionen beginnen sollten. Der Anreiz, sich als Trittbrettfahrer zu verhalten und die anderen machen zu lassen, ist groß. Handeln alle Länder auf diese Weise, stellt sich die „Tragik der Allmende“ ein: das Ökosystem wird übernutzt und kein Land wird ernsthaft etwas dagegen tun.

Wie kann das Dilemma gelöst werden?

Für einen erfolgreichen Schutz der Allmende Ökosystem müssten zunächst die Rechte an der Nutzung des Ökosystems eindeutig definiert werden. Grundlage könnte die Bevölkerungszahl der Länder sein: Je mehr Menschen in einem Land leben, desto höher die Emissionsgrenzen. Wirksame Kontrollmechanismen überprüfen die Einhaltung der Rechte. Bei Verstößen gegen die Nutzungsregeln werden Strafen verhängt, die vom Schweregrad des Fehlverhaltens abhängig sind.

Nach dem Verursachungsprinzip werden die Länder stärker bestraft, die Emissionen über ihre Nutzungsrechte hinaus ausstoßen. So könnte es beispielsweise anderen Ländern erlaubt werden, einen CO2-Strafzoll auf die Produkte, die die Emissionen verursachen, zu erheben. Normalerweise wäre dies nach den Regeln der Welthandelsorganisation nicht zulässig. Dieser Lösungsansatz könnte mit der Möglichkeit kombiniert werden, die Emissionsrechte auch zu handeln. So können Staaten, die ihren Ausstoß stark reduzieren, eingesparte Rechte an Staaten mit hohen Emissionen wie die USA und Deutschland verkaufen. Entscheidend ist nicht, wo CO2 eingespart wird, sondern nur, dass es überhaupt eingespart wird.

Eine Variante zu diesem Vorschlag ist die Idee des amerikanischen Wirtschaftsnobelpreisträgers William Nordhaus, einen Klimaclub zu gründen. Dabei belegen Staaten mit einer konsequenten und ehrgeizigen Klimapolitik per bindender Verpflichtung, dem Clubvertrag, Importe aus Ländern, die nicht Teil des Klimaclubs sind, mit dem CO2-Strafzoll. Diese Bestrafung erfolgt solange, bis die betroffenen Länder dem Club beitreten.

Fakt ist: Die bisherigen Maßnahmen reichen nicht aus, um irreversible Klimaschäden zu verhindern. Es ist Zeit, radikalere Schritte einzuleiten, die Strafen beinhalten, um die Trittbrettfahrer-Anreize zu eliminieren. Nur so kann der „Point of no return” abgewendet und ein Untergang der Welt verhindert werden.

Über den Autor/die Autorin

Stephanie Zepf

Die Autorin studiert Betriebswirtschaftslehre (Public and Non-Profit Management) an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Sie interessiert sich insbesondere für spieltheoretische und verbraucherpolitische Themen.

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