Der Ukraine-Krieg und seine Folgen: Eine Weltwirtschaftsordnung ohne Russland

Bereits seit einem Jahr kämpft die Ukraine standhaft gegen Russland. Während in den Medien zumeist das menschliche Leid des Krieges in den Vordergrund gerückt wird, werden die aus dem Krieg hervorgehenden wirtschaftlichen Folgen für die Bevölkerungen anderer Länder und für die Weltwirtschaftsordnung vernachlässigt, obwohl diese zunehmend spürbarer werden.

Insbesondere die Sanktionen gegen Russland haben nicht nur in Russland Folgen, sondern auch in vielen anderen Ländern, nicht zuletzt, weil Russland ein wichtiger Produzent diverser Rohstoffe, darunter vor allem Energie, ist. Gleichzeitig ist die Ukraine einer der wichtigsten Getreideexporteure der Welt. Der Krieg hat dazu geführt, dass die Preise für diese Güter angestiegen sind und insbesondere die Länder, die auf diese Importe angewiesen sind, nun unter Inflation und einer zunehmend schlechter werdenden Versorgungslage leiden.

Bereits im März 2022, als der Krieg noch am Anfang stand, warnte der Internationale Währungsfonds vor einer Veränderung der wirtschafts- und geopolitischen Ordnung und begründete dies mit einer Verschiebung des Energiehandels und einer Veränderung der Lieferketten. Besonders spürbar wurde in den vergangenen Monaten eine Verschiebung des Energiehandels weg von Russland hin zu alternativen Anbietern, was zu einem massiven Anstieg der Energiepreise führte und wiederum die hohe Abhängigkeit von russischer Energie verdeutlichte.

Experten wie Maria Pastukhova erklären, dass selbst wenn der Krieg schnell zu Ende ginge, Russland nicht wieder zu seiner bisherigen Rolle als Gasexporteur aufsteigen werde. Dies sei eine Folge des erlittenen Vertrauensverlusts, der dazu führe, dass Investitionsentscheidungen im Westen nun so getroffen würden, dass diese ohne Russland auskämen. Diese Einstellung muss zwangsläufig zu einer Neuausrichtung der Weltwirtschaftsordnung und zu einer Umorientierung hinsichtlich der Energieversorgung führen.

Maria Pastukhova argumentiert, dass es, um auf einen verlässlichen Energiemarkt zurückzukehren, notwendig sei, auch auf Wasserstoff zu setzen. Bis diese Technologie ausreichend entwickelt sei, müsse allerdings weiter auf das von Russland unabhängige, knappe und dadurch teure Gasangebot zurückgegriffen werden.

Dass eine Abkehr von russischen Gas dem „Way to Go” entspricht, zeigt ein in den vergangenen Monaten durch die Europäische Union verabschiedetes Gesetz, welches die Unabhängigkeit von Russland vorantreiben soll und das Ziel hat, bereits vor dem Jahr 2030 vollständig auf russische Gas- und Öllieferungen verzichten zu können. Insbesondere soll die Integration erneuerbarer Energien in das Stromnetz beschleunigt sowie die Energieeffizienz in Gebäuden gesteigert werden. Desweiteren soll investiert werden in die Produktion von fossilfreiem Wasserstoff und Biomethan als alternative Energiequellen. Ein sehr ambitioniertes Ziel, hat man doch in den vergangenen Jahrzehnten durch bestehende Freundschaften zu Russland fleißig an der Abhängigkeit von russischer Energie gearbeitet und sich damit erpressbar gemacht!

Dennoch, erste Erfolge in Richtung Unabhängigkeit zeigen sich bereits jetzt: So haben die angestiegenen Gasimporte aus anderen Ländern, darunter Norwegen, die Niederlande und Belgien, die russischen Gaslieferungen in Deutschland seit dem August 2022 bereits fast kompensiert. Dies zeigt einerseits, dass keine zwingende Abhängigkeit von Russland besteht, und signalisiert andererseits Russland, dass eine Weltwirtschaftsordnung auch ohne das Land möglich und seine Stellung im wirtschaftspolitischen Gefüge nicht so unanfechtbar ist, wie russische Politiker geglaubt haben dürften.

Gleichzeitig dürften auch westliche Länder wie Deutschland Lehren aus dem vergangenen Jahr gezogen haben. Sie mussten schmerzhaft erfahren, dass trotz (politischer) Freundschaften keine alleinige Abhängigkeit von natürlichen Ressourcen von einem einzelnen Land geschaffen werden und (politische) Freundschaften und Verbundenheiten den Blick nicht verstellen sollten vor autoritären Regierungen wie derjenigen in Russland, welche in Krisenfällen ihre eigenen Interessen auch durch Erpressungen gegenüber ihren „Freunden“ durchzusetzen versuchen.

Kommentare

1 Antwort zu „Der Ukraine-Krieg und seine Folgen: Eine Weltwirtschaftsordnung ohne Russland“

  1. Avatar von Jan Berg
    Jan Berg

    Ich stimme dem Fazit der Autorin voll und ganz zu: Die Abkopplung vom russischen Gas ist eine schmerzhafte und teure Lektion. Im Nachhinein, aber auch schon aus damaliger Sicht, erscheint die politische Entscheidung, so stark auf russisches Gas zu setzen, unverständlich. Trotz der der Krimbesetzung 2014 konnte Russland seinen Anteil an den deutschen Gasimporten bis 2022 kontinuierlich ausbauen. Und beim Bau der Pipeline Nordstream 2 hat die deutsche Seite die wiederholten Proteste anderer europäischer Länder ignoriert und versucht, ein US-Embargo gegen die Betreibergesellschaft zu unterlaufen. Einzig positiv für Deutschland scheint, dass Energiesicherheit, Netzausbau und Nachhaltigkeit inzwischen verstärkt in Medien und Politik diskutiert werden.

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