Die Unzuverlässigkeit der Deutschen Bahn – eine unendliche Geschichte?

Wer auf die Bahn angewiesen ist, braucht eine Menge Geduld und Zeit. Bahnfahrer wissen, Zuverlässigkeit ist im deutschen Schienenverkehr Mangelware. Insbesondere 2022 ist es der Bahn gelungen, ihre vergangenen Negativrekorde noch einmal zu unterbieten. Nie war die Bahn unpünktlicher!

Lediglich 50 bis 60 Prozent der Fernverkehrszüge im Zeitraum zwischen Mai und September 2022 fuhren pünktlich. Das ist das vorläufige Ergebnis einer parlamentarischen Anfrage der Unionfraktion im Bundestag. Ein Armutszeugnis, insbesondere für einen bedeutenden Wirtschaftsstandort wie Deutschland, der stark von einer guten Infrastruktur abhängt!

Nicht zuletzt intensive Bautätigkeiten, die hohe Auslastung und andere Störfaktoren wie beispielsweise die Sabotage der Infrastruktur hätten die Pünktlichkeit stark verschlechtert, so ein Sprecher der Bahn.

Doch insbesondere groß angelegte Baumaßnahmen sind notwendig, denn das Schienennetz ist bereits seit Jahren baufällig und hätte besser gestern als heute saniert werden sollen. Stattdessen wurde gewartet, bis nicht mehr gewartet werden konnte, weshalb heute zahlreiche Baustellen gleichzeitig nötig sind und dazu führen, dass Strecken nur langsam oder gar nicht befahren werden können.

Gleichzeitig hat die Erfahrung mit dem 9-Euro-Ticket gezeigt, dass die Bahn lediglich schlecht oder gar nicht in der Lage ist, eine hohe Auslastung zu händeln. Kein Wunder, selbst ohne das 9-Euro-Ticket sind die Züge zu Stoßzeiten hoffnungslos überfüllt, was nicht zuletzt auf eine zu geringe Bereitstellung von Zugteilen oder schlicht auf Zugausfälle zurückzuführen ist.

Ärgerlich sind diese Mängel besonders im Hinblick auf den Klimaschutz, ist es doch das Ziel der Regierung, die Menschen dazu zu bewegen, statt auf das Auto auf öffentliche Verkehrsmittel zurückzugreifen und den Gütertransport zunehmend auf die Schienen zu verlegen.

Aber wer will schon auf die Bahn zurückgreifen, wenn er nicht sicher sein kann, dass diese überhaupt kommt und die notwendigen Kapazitäten aufbringt? Wohl niemand, der eine Wahl hat. So wird aus der Bahnkrise zusätzlich eine politische Krise!

Die Lösung der Krise soll die ab dem Jahr 2024 angestrebte Umorganisation der Netzbetriebs der Bahn sein. Die Netzgesellschaft der Bahn und die Bahnhofsgesellschaft Station & Service sollen zu einer durch die Bundesregierung betriebenen gemeinnützigen Aktiengesellschaft werden. Ziel ist es, dass erzielte Gewinne allein dafür genutzt werden, die Trassenpreise für Züge zu senken. Alles schön und gut für die Zukunft.

Aber was erwartet Bahnfahrende kurzfristig? Bestenfalls leichte Besserungen, ansonsten die altbekannte, dürftige Qualität. Immerhin: Die Managergehälter steigen!

Und genau hier liegt ein Regulierungsversagen der Politik vor. Statt sicherzustellen, dass die erzielten Einnahmen und Gewinne in die Erneuerung und Erweiterung der Trassen investiert werden, wird zugelassen, dass die ohnehin schon üppigen Gehälter der Manager noch weiter steigen, während an anderer Stelle das Geld für andere Notwendigkeiten fehlt. Die bereits jetzt hohen Preise für Zugtickets werden weiter steigen, die Akzeptanz der Bahnfahrer auf die Probe gestellt und das Ziel der angestrebten Pünktlichkeit von 2030 auf 2070 verschoben.

Es wäre wünschenswert, wenn die Bahn statt in Managergehälter wieder vermehrt in die Infrastruktur und die Qualität ihrer Dienstleistungen investierte und gesetzte Ziele in einem überschaubaren Zeitraum erreichte. Dennoch sollte nicht nur die Zukunft im Fokus stehen, sondern auch die Gegenwart und die Frage, wie heutige Bahnkunden zufriedengestellt und langfristig gehalten werden können. Nur so kann die Bahnkrise und die daraus hervorgehende politische Krise gelöst werden.

Kommentare

2 Antworten zu „Die Unzuverlässigkeit der Deutschen Bahn – eine unendliche Geschichte?

  1. Avatar von Marvin Daab
    Marvin Daab

    Der Zustand der Deutschen Bahn ist tatsächlich ein Armutszeugnis, für das Deutschland im Übrigen auch international belächelt wird. In Anbetracht der Dringlichkeit eines gut funktionierenden Schienenverkehrs kann es nicht sein, dass erst 2070 pünktliche Züge durch Deutschland fahren. Eine effektive Verkehrswende für den Klimaschutz sieht anders aus!

  2. Avatar von Florian Zimmermann
    Florian Zimmermann

    Die DB zeigt leider eindrucksvoll die negativen Seiten der Privatisierung öffentlicher Betriebe und ist ein Paradebeispiel für Missmanagement. Es wurde nur auf die Kosten geschaut und das Kernziel der Bahn – die Menschen pünktlich von A nach B zu bringen – aus den Augen verloren. Ich kann mich Deinem Wunsch nur anschließen und hoffe, dass wenigstens aus den Fehlern der vergangenen Jahrzehnte gelernt wird.

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