America first: Handelspolitik à la Trump

Mit seinem America first-Programm will US-Präsident Donald Trump unter anderem die US-amerikanische Wirtschaft stärken und vor allem Arbeitsplätze erhalten und neue schaffen. Die Neuausrichtung der Handelspolitik im Sinne Trumps stellt dabei eine Kehrtwende dar, jedoch eine unvorteilhafte. Dem Welthandel und auch der US-amerikanische Wirtschaft droht großer Schaden.

Die USA müssen, laut Trump, wieder stärker vom Handel profitieren. Anstelle multinationaler Handelsabkommen will Trump auf – aus seiner Sicht – „gerechtere“ bilaterale Handelsverträge setzen. Deshalb wolle er bestehende Handelsabkommen überprüfen, neu verhandeln oder sogar aufkündigen. Das pazifische Freihandelsabkommen TTP ist dieser Ankündigung bereits zum Opfer gefallen und die Verhandlungen mit der EU zum transatlantischen Freihandelsabkommen TTIP wurden beendet. Dabei war TTP als Gegengewicht zur wachsenden Wirtschaftsmacht Chinas geschaffen worden. Durch den Ausstieg der USA aus dem Abkommen profitiert nun aber ausgerechnet China, da ein neues Handelsabkommen mit chinesischer, aber ohne amerikanische Beteiligung TTP ersetzen soll. Die USA verlieren so den Zugang zu einer Freihandelszone, die immerhin 800 Millionen Menschen umfasst und in der 40 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts gehandelt werden. Es lässt sich bereits jetzt leicht vorhersagen, dass die amerikanischen Exporte hierunter massiv leiden werden.

Donald Trumps Kalkül ist ein anderes. Er will die amerikanische Wirtschaft durch Abschottung stärken und damit die Arbeitslosigkeit senken. US-amerikanische Unternehmen sollen deshalb nur noch in den USA produzieren. Das bedeutet, dass Waren, die im Ausland eigentlich kostengünstiger produziert werden könnten, nun teurer im Inland produziert werden müssen. Für Produkte „Made in America“ müssten die Verbraucher also tiefer in die Tasche greifen, da unter anderem die Löhne in den USA höher sind. Die US-amerikanischen Haushalte hätten letztendlich weniger Geld zur Verfügung, wenn Smartphones, Autos und Kühlschränke teurer, dafür aber im Inland produziert werden. Der Lebensstandard der Haushalte in den Vereinigten Staaten würde sinken. Das berühmte Theorem der komparativen Kosten, mit dem der britische Ökonom David Ricardo vor genau 200 Jahren die wohlfahrtssteigernde Wirkung der internationalen Arbeitsteilung begründete, würde so in sein Gegenteil verkehrt.

Zusätzlich würden auch notwendige Rohstoffimporte teurer werden, wenn Präsident Trump – wie angekündigt – Strafzölle für Importe oder andere Maßnahmen, die den gleichen Effekt haben, einführt. Die zur Produktion von elektronischen Geräten benötigten Seltenen Erden zum Beispiel müssten teurer importiert werden. Das Zusammenspiel von höheren Lohnkosten und steigenden Rohstoffpreisen hätte einen Nachfragerückgang zur Folge. Dieser wiederum wird negativ auf die Produktion und damit auf die Beschäftigung zurückschlagen. Also genau das Gegenteil von dem, was Trump mit seinen Maßnahmen beabsichtigt.

Die größte Gefahr geht aber von einer von den Strafzölle ausgelösten Kettenreaktion aus, bei der andere Staaten dem Beispiel der USA folgen und auf den Protektionismuszug aufspringen, um sich ebenfalls abzuschotten oder handelspolitische Vergeltung an den USA zu üben. Im schlimmsten Fall könnte dies der Beginn neuer Handelskriege sein, als deren unvermeidliche Folge das Wachstum der Weltwirtschaft beendet würde. Bereits in der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre wurde unter US-Präsident Herbert Hoover der Versuch unternommen, mit Strafzöllen die inländische Wirtschaft zu stärken. Das löste damals eine Spirale des Protektionismus aus, die sich immer schneller drehte, da andere Länder als Antwort auf die Abschottung sich selbst abschotteten. Damals ging der weltweite Handel innerhalb von vier Jahren um 40 Prozent zurück. Die Amerikaner lernten damals schmerzlich, dass es einer internationalen Koordinierungsstelle zum Abbau von Handelshemmnissen bedurfte, was zum Aufbau der heutigen Welthandelsorganisation WTO führte.

Das Verhalten Trumps spiegelt zweifellos eine gewisse Paranoia gegenüber den Handelspartnern wider. Überall wittert er die Gefahr, über den Tisch gezogen zu werden. Dabei sind seine eigenen Vorhaben bezüglich der Neuausrichtung der Handelspolitik reichlich realitätsfremd, wenn man bedenkt, dass in den USA nach Angaben der US-Notenbank Vollbeschäftigung herrscht. Das macht die Neuausrichtung der Handelspolitik, die in sich schon unlogisch und nicht zielführend ist, als ein vermeintliches Instrument zur Verbesserung der Arbeitsmarktsituation erst recht überflüssig.

Beitragsbild: pixabay.de

Über den Author

Mick Adrian Mick Adrian studiert Volkswirtschaftslehre im Master an der Universität Freiburg. Seine Interessengebiete umfassen neben marketingbezogenen auch wirtschaftspolitische Themenbereiche. Als besondere Herausforderung empfindet er es, wirtschaftliche Zusammenhänge journalistisch aufzuarbeiten.

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