Taxivermittler Uber: Ausgebremst im #Neuland

uber

Eine engstirnige Wirtschaftspolitik verhindert mehr Wettbewerb auf dem Taximarkt. Innovation versus Bürokratie. Eine Zusammenfassung, warum der Umgang mit Uber kontraproduktiv ist.

Der private Taxivermittler Uber greift über das Internet das staatlich geschützte Taxikartell in Deutschland an und schafft einen neuen Markt. In der Regel kommen diese Ideen und Innovationen aus den USA. Silicon Valley ist das Eldorado der Entrepreneure, Glücksritter und Risikokapitalgeber. Ein solcher Ort hat einen enormen Einfluss auf eine Volkswirtschaft. Er ist die Basis für die Innovationsfähigkeit eines Landes und er sichert die Zukunftsfähigkeit im globalen Wettbewerb. Viele Länder wollen dieses Konzept kopieren, ohne zu wissen, wie die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen aussehen müssen, um selber derart erfolgreich sein zu können. In Deutschland wird derzeit der Markteintritt von Uber kontrovers diskutiert. Das Problem hierzulande ist dabei nicht die Idee der Taxivermittlung an sich – es ist die engstirnige Wirtschaftspolitik, die Innovationen im Keim erstickt. Nachfolgend ein Überblick über das Internet, das deutsche Taxikartell und die heimische Wirtschaftspolitik.

„Oh, they have the internet on computers now!“
(Homer Simpson, Nuclear Safety Inspector)

Vor Jahrzehnten wurde am CERN in der Nähe von Genf, der Europäischen Organisation für Kernforschung, das sogenannte ‚World Wide Web‘ erfunden. Dank deutscher Beteiligung an diesem Projekt sind deutsche Berufspolitiker bis heute stolz auf die Leistung. Seitdem scheint sich diesbezüglich jedoch wenig in Deutschland getan zu haben. In Sonntagsreden werden derzeit viele Phrasen von der Geschwindigkeit im Internet gedroschen.

Die politischen Propheten behaupten, dass im Jahr 2018 flächendeckend Daten mit einer Geschwindigkeit von 50 Megabit pro Sekunde verschickbar sein sollen. In China und Südkorea laufen jetzt schon Tests, um 1 Gigabit pro Sekunde, also 1000(!) Megabit, bereitzustellen. In Asien werden digitale Silberpfeile ins Rennen geschickt, während wir noch mit Kutschen fahren.

Das deutsche Problem kann an einem einfachen Vorgang festgemacht werden. Der Versuch des Markteintrittes von Uber ist ein aktuelles Beispiel für die Innovationsfeindlichkeit in Deutschland. Uber ist ein amerikanischer Vermittlungsdienst für Personenfahrten und hat drei unterschiedliche Angebote:

  • UberBlack – Mietwagen mit Fahrer
  • UberTaxi – reguläre Taxis
  • UberPop – private Fahrer zur Personenbeförderung

UberPop, im Folgenden nur noch Uber genannt, erregt in Deutschland gerade große Aufmerksamkeit. Viele Stadtverwaltungen versuchen, Uber gerichtlich verbieten zu lassen. Die Argumente gegen diesen Dienst sind vielfältig und häufig einfältig. Reguläre Taxiunternehmen und -fahrer unterliegen strengen Reglementierungen. Angefangen von der Farbe des Taxisschildes auf dem Dach bis hin zur Ortskenntnisprüfung und dem Erwerb einer Konzession. In einigen Städten muss jahrelang auf eine Konzession gewartet werden.

„Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Schutzmauern, die anderen bauen Windmühlen.“ (chinesisches Sprichwort)

Hauptargument der Gegner von Uber sind die Probleme der Bezahlung und der gewerblichen Tätigkeit. Da auch bei den privaten Fahrern eine Gewinnerzielungsabsicht unterstellt wird, ist eine Gewerbeanmeldung zwingend nötig. Dies bedeutet, dass die Pflichten für eine gewerbliche Personenbeförderung und die Regelungen für gewerbliches Einkommen zu erfüllen wären. Langwierige Gerichtsprozesse werden deswegen geführt; Gerichtsbeschlüsse seitens Uber aber gerne auch mal ignoriert. Auch diverse Versicherungsfragen sind strittig und werden daher häufig angeführt. Der private Fahrer muss der eigenen Versicherung melden, dass er für Uber auch Fahrgäste transportiert. Er nutzt sein Fahrzeug also nicht mehr rein privat. Verschweigt der Fahrer dies und kommt es zu einem Unfall, könnte die Versicherung von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen – ein Umstand, über den sich vermutlich die wenigsten Uber-Fahrer im Klaren sind.

Weiterhin will der Staat dafür sorgen, dass die „Taxi-Qualität“ erhalten bleibt. Die Politiker handeln, als ob die Bürger nicht in der Lage sind, Entscheidungen auf dem Markt selbstständig zu treffen, um ihren Nutzen zu optimieren. Der Staat selbst bevormundet also die Bürger und begründet bzw. stützt damit gleichzeitig Kartelle. Dabei sind die Qualitätssicherung und deren Verbesserung ein immerwährendes Problem.

Der Nutzer unterliegt auf dem Markt immer einer asymmetrischen Informationsverteilung zu seinen Ungunsten. Kann er überprüfen, dass Taxifahrer und -fahrzeug sicher sind? Ist es ein Qualitätsmerkmal, dass die Taxifahrer in Großstädten heutzutage per Navigationsgerät fahren? Kann der Kunde auf das TÜV-Siegel vertrauen und darauf, dass der Fahrer überhaupt eine gültige Fahrerlaubnis hat? Und wer kann die Qualität beim TÜV überprüfen? Der ADAC lässt grüßen…

Dieselben Probleme gibt es bei privaten Anbietern. Nur bieten diese vielleicht Möglichkeiten der Qualitätssicherung an. Denkbar und umsetzbar sind Fahrer- und Fahrzeugbewertungen mittels App und Sicherheitsvorkehrungen wie Tracking mittels GPS. Bei „offline“-Taxis ist auf Grund des fehlenden Wettbewerbes und des Schutzes durch das Kartell eine ähnliche Entwicklung nur langsam sichtbar. Es muss sie auch nicht zwingend geben, da die Taxiunternehmen im bestehenden Kartell keinen Anreiz haben, ihr Angebot bzw. ihre „Qualität“ zu verbessern.

Das schwächste Argument sind die Arbeitsplätze der „regulären“ Taxifahrer. Würde man, so die Meinung des Taxikartells, Wettbewerb zulassen, würden viele Taxifahrer arbeitslos werden. Richtig ist: Innovation kostet in bestimmten Bereichen Arbeitsplätze. In anderen Bereichen werden hingegen wieder neue Jobs geschaffen. So wie die Kutschenindustrie durch technischen Wandel zum Erliegen kam und die Autoindustrie neue und zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen hat. Steigende Produktivität vernichtet durch neue Technologien im betreffenden Sektor Arbeitsplätze. Gesamtwirtschaftlich wächst aber die Anzahl der Arbeitsplätze. Steigende Produktivität erzeugt mehr Konsum, da auch das Gesamteinkommen in der Volkswirtschaft steigt, wie der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman ausführt.

„Das Alte auf eine neue Weise tun – das ist Innovation.“
(Joseph A. Schumpeter)

Letztendlich überlebt das deutsche Taxikartell nur durch den staatlichen Protektionismus. Potentielle Wettbewerber werden auf Abstand gehalten. Irgendwo gibt es immer einen verstaubten Paragraphen, mit dem man bestehende Kartelle schützen kann. Bund und Länder stabilisieren ein Kartell, welches im freien Markt keine Überlebenschance hätte. Ein freier Markt existiert aber nicht. Wie auch, wenn Preise staatlich festgelegt werden! Der Wettbewerb würde dafür sorgen, dass Unternehmen im Vergleich zu anderen produktiver und innovativer werden und sich im Kampf um Kunden an diese besser anpassen müssen.

Statt Probleme zu konstruieren und Kartelle zu stabilisieren, müsste die Politik durch sinnvolle Rahmenbedingungen Innovationen ermöglichen. Am Ende muss zwingend der Bürger selbst entscheiden, welchem Angebot er das Vertrauen schenkt. Kartelle sollten keinen Einfluss auf die Wirtschaftspolitik haben, sie sollten erst gar nicht entstehen. Der deutsche Staat kann die Zukunft der Unternehmen nicht aufs Spiel setzen, nur weil spezielle Interessengruppen gestützt und Kartelle beibehalten werden sollen. Steuervergünstigungen für Hoteliers sind keine gute Wirtschaftspolitik, sie zeugen nur von einem zu großen Einfluss von Lobbyisten. Eine gute Wirtschaftspolitik muss den Bürgern die Verantwortung bei den Entscheidungen darüber überlassen, welche Innovation als „echte Innovation“ in die Lebensabläufe integriert und welche ablehnt wird.

„Innovation distinguishes between a leader and a follower.“
(Steve Jobs)

Welches gesamtwirtschaftliche Fazit können wir durch den Markteintritt eines einzelnen Unternehmens wie Uber ziehen? Jede Gesellschaft muss sich auf ihre eigenen gesellschaftlichen Ziele verständigen. Die Rahmensetzungen durch die Politik sollen dabei gewährleisten, dass diese Ziele erreicht werden können. Die Zukunft der deutschen Industrie, des Dienstleistungssektors und der Verwaltung wird im Internet entschieden und unser Wohlstand wird im Internet verteidigt. Nur wenn Deutschland – auch und gerade in einer internetgestützten ‚Industrie 4.0‘ – innovativ bleibt, wird es uns weiterhin so gut gehen.

German Angst‘ ist dagegen kontraproduktiv. Es muss darüber nachgedacht werden, warum zwei große Unternehmen in ein Konzept wie Uber so viel Geld investieren. Goldman Sachs und Google haben bis jetzt rund 1,2 Milliarden Dollar für das immer noch kleine Unternehmen eingesetzt. Die Chancen der vernetzten Welt sind mannigfaltig und stehen gut, in allen Bereichen des menschlichen Zusammenlebens Vorteile zu schaffen. Diese Vorteile gehen zu Lasten bestehender Kartelle. Ein überhastetes Verbot aus Unkenntnis der Materie verhindert die Nutzung der Chancen.

Wenn Deutschland weiterhin in der Welt eine Wirtschaftsmacht sein will, dürfen Innovationen nicht verboten werden. Die Gefahr besteht sonst, von den innovationsfreudigen Unternehmen aus anderen Ländern dieser Welt abhängig zu werden. Nur wenn die deutsche Wirtschaft selbst innovativ bleibt, kann sie auch Standards und Normen mitgestalten und weiterhin global wettbewerbsfähig sein. Das Land der Dichter und Denker darf nicht zum Land der Bremser und Fortschrittsverweigerer werden. Übrigens: Das letzte große IT-Unternehmen aus Deutschland heißt SAP. Es wurde vor 35 Jahren gegründet. Alarmierend.

 

Über den Author

Tilman Markowetz Student der Volkswirtschaftslehre und Vorsitzender der studentischen Unternehmensberatung TriRhena Consulting e.V. Interessiert sich für Innovationspolitik, Wirtschaftspolitik und Politik im Allgemeinen. Das Internet ist für ihn kein #Neuland. Arbeitete für zwei hessische Landtagsabgeordnete. Kann sich vorstellen, später in der Politik oder in der Politikberatung zu arbeiten.

12 thoughts on “Taxivermittler Uber: Ausgebremst im #Neuland

  • 20. Januar 2015 at 11:21
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    Ersetze ich dann nicht nur ein Kartell durch ein Monopol? Alleine durch die Finanzpower von Google und Goldman Sachs hat Uber deutliche Vorteile. Gäbe es ernstzunehmende Konkurrenz von einer anderen App, würde die doch einfach aufgekauft werden?

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    • 20. Januar 2015 at 16:58
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      Uber hat ja kein Monopol auf dem Taximarkt. Da die Idee der Taxivermittlung kein extremes Wissen (wie zB bei Suchmaschinen und deren Algorithmen) vorraussetzt, glaube ich nicht, dass es dieses Problem gibt. Es wird immer genug Konkurrenz geben, bei der sich dann die am einfachsten zu bedienenste App durchsetzt. Ist dann eher eine Marketinggeschichte.

      Google, wie einige andere Tech-Firmen, haben eine gut gefüllte Kasse, die können natürlich alles mögliche aufkaufen. Uber ist eigenständig und die Geldgeber von Uber wollen ja nicht nur auf dem Markt präsent sein, sondern irgendwann auch mal Geld verdienen.

      Je länger sich die Politik oder die etablierten Taxiunternehmen gegen Innovationen auf dem Markt wehren, desto eher rutscht man in eine Geschichte rein, die man so nie wollte. Niemand hindert ja Taxiunternehmen, bzw den Taxiverband, eigene Lösungen zu präsentieren.

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  • 2. März 2015 at 13:31
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    Ich bin eben eher zufällig über diesen Artikel gestolpert. Erinnert hat mich dies hier an einen Artikel aus der Huffington Post vom September 2014. Hier ging es um die sharing economy, von dem uberpop ein Teil ist. Dies alles soll gut für uns sein und in Zukunft immer wichtiger werden. Anbei nun der Artikel und meine Meinung zum Thema, um hier auch einmal einen anderen Aspekt der Debatte ins Spiel zu bringen. Bis jetzt steht ja nur die technische Innovation als geistiger Horizont zur Debatte, etwas wenig für eine fundierte Meinung
    http://www.huffingtonpost.de/2014/09/12/sharing-economy-_n_5807834.html?fb_action_ids=755941644466629&fb_action_types=og.comments#

    Dies ist der Artikel und nun zum Kommentar

    Sharing Economy, aha, das klingt ja schon mal sehr sehr positiv, weil teilen ja was gutes ist, haben wir ja aus der Bibel gelernt. Ist diese Schönfärberei überhaupt gerechtfertigt? Wird denn tatsächlich irgendwas geteilt?
    Betrachten wir die gelisteten Beispiele etwas genauer
    MyTaxi: Das ist eine App, mit der ich mir in bestimmten Regionen via Smartphone ein Taxi bestellen kann. Früher konnte man das nur per Anruf bei der Taxizentrale, heute geht das, dem Fortschritt sei Dank, eben auch via mobilem Internet. Das Taxi selbst muß ich genauso bezahlen, geschenkt bekomme ich die Fahrt sicher nicht und der Fahrer des Taxis tut das auch nicht aus reiner Nächstenliebe, sondern weil er seinen Lebensunterhalt mit dieser Dienstleistung zu bestreiten versucht. Teilen? Vielleicht dass er seine Laune oder seinen Achselschweiss mit mir teilt, mehr aber auch nicht
    Uber/Wundercar&Co: Auch hier kommt das Smartphone zum Einsatz, auch hier kommt irgendwann ein Auto, das mein Transportproblem löst. Aber, auch hier kommt niemand, der von Nächstenliebe getrieben durch Nacht und Wind eilt, nein, es kommt jemand, der Geld für seine Mühen erwartet. Dieser Jemand zahlt noch nicht einmal die Gewerbesteuer, die seinem professionellen Kollegen abverlangt wird und ob er einen Beitrag zur Sozialversicherung leistet, wissen wir auch nicht (hab ich noch nicht gegoogelt :-)). Teilt der also etwas mit mir? Nein, er will mein Geld, zumindest einen Teil davon
    Couchsurfen: Klingt auch erst mal toll, letztlich aber geht hier eine Privatperson her und bietet eine Übernachtungsmöglichkeit gegen Bezahlung an. Das ist zwar billiger als ein Hotel, geteilt wird hier aber auch nichts, es wird Geld verdient ohne die hygienischen Vorgaben des Staates und ohne die üblichen Nebenkosten, die ein Hotelier eben aufwenden muß.
    Sharing Economy, wird irgendwas geteilt? Nein, es werden vorhandene Ressourcen zu Geld gemacht unter Umgehung der gewerblichen Pflichten.
    Der Begriff ist also doch nichts weiter als Schönfärberei. Darüber kann man sich ärgern, muß man aber nicht, schliesslich wird ja fast alles deutlich schöner geredet als es ist:
    Wirklich beängstigend ist der Punkt, dass studierte Ökonomen davon ausgehen, dass das alles künftig wichtig für uns alle wird, heisst das doch letztlich, dass immer mehr Menschen dazu gezwungen sein werden, immer größere Teile ihrer Privatsphäre verkaufen müssen, um durchs Leben zu kommen. Oder glaubt wirklich noch jemand, dass ein Student in einer WG lebt, weil das soziale Miteinander so toll ist? Nö, der arme Hund kann sich lediglich die Miete für eine eigene Wohnung nicht leisten, nur darum teilt er sich seine 4 Wände mit ein paar Kollegen.

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    • 2. März 2015 at 14:32
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      Hallo Herr Pusch,

      anscheinend war der Beitrag fundiert genug, so dass sie so einen langen Kommentar geschrieben haben 😉

      Die Technik ermöglicht Dinge zu tun. Wir als Gesellschaft müssen uns klar werden, was wir möchten und was nicht. Nur weil eine Technik etwas kann, muss man dies nicht wollen. Atomkraft/Gentechnik erforschen iSv Grundlagenforschung ist (war) wichtig und richtig, Atomkraftwerke und Genfood wollen wir trotzdem lieber nicht.

      Zu paar Punkten, die ich mir herausgreife, aber ich weiß nicht ganz genau, worauf sie am Ende hinauswollen:

      Natürlich, niemand bekommt nirgendwo was geschenkt. Und?

      Share Economy ist kein neues Geschäftsmodell. Schon seit den ersten Mitfahrgelegenheiten basiert es auf der gemeinsamen Nutzung, die zeitlich begrenzt ist, von Ressourcen, die nicht dauerhaft benötigt werden. Irgendwann mit dem Internet wurde dieses Geschäftsmodell auch in eben dieses transportiert. Das Internet ermöglicht die Bündelung von Waren und Dienstleistungen. Jeder kann, mit Internetanschluss, darauf zugreifen. Muss er aber nicht. Ob jemand seine Daten verkauft um Angebote „kostenlos“ (keine Geldzahlung) zu nutzen liegt dann ja an der Faulheit der betreffenden Person Alternativen zu suchen .

      eBay hat den Flohmarkt revolutioniert, aber niemand ist gezwungen dort zu ver- oder zu kaufen.

      Warum also nicht bei den Taxis? Warum nicht bei den privaten Autos?

      Das sind Fragen die die Politik und(!) die Gesellschaft beantworten müssen. Was wollen wir? Einfach die Technik verbieten, weil das Internet halt irgendwie Neuland ist oder weil Google so doof ist, bringt niemanden weiter. Es hindert am Ende die Wirtschaft und gefährdet den Wohlstand. Wenn wir schon Probleme mit langweiligen Taxis haben, wie soll dann erst das ehrgeizige Ziel der Industrie 4.0 umgesetzt werden?

      Letztendlich geht es darum, Innovationen den nötigen Raum zur Entwicklung zu geben. Allerdings muss dann gleichzeitig verhindert werden, dass die unteren Einkommen immer weiter unter Druck geraten. Das ist Aufgabe der Politik – einer Ordnungspolitik.

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      • 18. März 2015 at 20:56
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        Es ist ja nicht so, dass Uber generell verboten wird. Wenn Uber sicherstellen würde, dass die beteiligten Fahrer sich an die entpsrechenden gesetzlichen Vorgaben halten würden, wäre es genauso legal wie andere Limousinen- und Chaffeurdienste. Tun sie aber nicht.
        Und es ist Sache des Staates, sich um die Einhaltung gewisser Regeln zu kümmern. Und es ist nur recht und billig, dass gewerbliche Anbieter die entsprechenden Gesetze befolgen. Angefangen vom Versicherungsschutz bis hin zur Versteuerung von Einkommen aus Gewerbebetrieben.
        Wenn die Uber-Fahrer auf der Basis von Mitfahrzentralen (der Mitfahrer bezahlt nur einen Kostenanteil) arbeiten würden, gäbe es auch weniger Probleme für sie. Ab er nein, die Fahrer wollen kommerziell arbeiten, dass müssen sie sich auch an Regeln halten.
        Es stimmt nicht, dass hier ein Kartell geschützt werden soll. UberBlack ist hierzulande legal. Sollen die „Privat“Fahrer (das sind sie durch die Gewinnerzielungsabsicht nicht) sich jeweils selbständig machen. Aber das tun sie nicht, weil sie weder Steuern noch Versicherungen zahlen wollen. Zu Lasten der Allgemeinheit.
        Wenn Sie antreten wollen, um gegen Taxi-Privilegien anzukämpfen, sollen sie das. Es gibt genügend Möglichkeiten.
        Legale. Es ist ein leichtes, einen Personenbeförderungsservice in Deutschland zu gründen, der nicht unter die Taxi-Regularien fällt.
        Aber ich kann der Allgemeinheit zuliebe nicht nur nehmen und im Gegenzug gegen die Wettern, die Steuern und Sozialabgaben abführen und die Feiern, die eine Lizenz zum Betrug fordern. Das ist keine Sharing Exonomy, das ist unsoziales Verhalten auf Kosten der Mitmenschen.

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        • 19. März 2015 at 09:31
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          Genau, es geht nur um UberPop.

          UberPop soll auch nicht die Lösung sein – UberPop hätte aber der Anlass für mehr fairen Wettbewerb sein können.

          Statt alles quer durch die Bank weg zu verbieten, was dem Taxikartell zu nahe kommt, hätte ja auch von Seiten der etablierten Taxis eine Innovation kommen können. Und soweit es überblickbar ist, passiert in dieser Richtung auch etwas, die Debatte hat also auch genutzt.

          Persönlich glaube ich, UberPop wird nicht überleben. Nicht weil Uber ihr Konzept nicht an die Deutschen Regularien anpassen kann (oder diese sinnvoll verändert werden), sondern wegen dem komischen Verhalten der Manager und was man so in der Presse liest …

          Das Problem der deutschen Taxis wird auch in Zukunft keine App auf dem Smartphone sein, sondern das selbstfahrende Auto von Google …

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  • 19. März 2015 at 13:31
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    Der Artikel versucht leider Kritiker am Geschäftgebaren von Uber als innovationsfeindliche Bremser darzustellen. Ich halte das für sehr fragwürdig. Daher einige Kommentare:

    1) „In Asien werden digitale Silberpfeile ins Rennen geschickt, während wir noch mit Kutschen fahren.“

    Eine bessere Netzinfrastruktur in Dtl. wäre in der Tat wünschenswert. Trägt Uber dazu bei diesen Umstand zu beheben oder warum wird der Punkt angeführt?

    2) „Da auch bei den privaten Fahrern eine Gewinnerzielungsabsicht unterstellt wird …“

    Warum „unterstellt“? Gibt es die begründete Annahme, das Uberfahrer das aus Spaß machen?

    3) „Kann er (der Fahrgast) überprüfen, dass Taxifahrer und -fahrzeug sicher sind?“

    Nein, das kann der Fahrgast nicht. Er kann sich nur darauf verlassen, das es a) Vorgaben gibt und b) diese regelmäßig bei Fahrern und Taxis kontrolliert werden. Gibt es Hinweise, das diese Kontrollen nicht oder sehr lax durchgeführt werden?

    4) „Ist es ein Qualitätsmerkmal, dass die Taxifahrer in Großstädten heutzutage per Navigationsgerät fahren?“

    Warum wird hier die Nutzung von Technologie zum Nachteil der Fahrer ausgelegt? Diese Geräte ermöglichen es optimale Fahrtwege zu finden, Staus zu vermeiden und somit Zeit und Kosten für die Fahrgäste zu sparen. Einen Absatz weiter wird sogar die Nutzung von GPS Geräten als Möglichkeit zur Verbesserung der Service-Qualität angeführt. Merkwürdige Argumentation.

    5) „Nur bieten diese vielleicht Möglichkeiten der Qualitätssicherung an. Denkbar und umsetzbar sind Fahrer- und Fahrzeugbewertungen mittels App und Sicherheitsvorkehrungen wie Tracking mittels GPS.“

    Wie wäre es denn mit staatlichen Vorgaben/Kontrollen und solchen Bewertungen durch die Fahrgäste? So wären technischer Zustand und Service nicht nur „vielleicht“ gesichert, sondern mit großer Wahrscheinlichkeit.

    6) „Weiterhin will der Staat dafür sorgen, dass die „Taxi-Qualität“ erhalten bleibt.“

    Warum Qualität in Anführungszeichen? Gibt es in Dtl. ein flächendeckendes Problem mit dem Service der Taxigewerbe? Nach meiner Erfahrung ist der Zustand der Fahrzeuge sehr gut und die Wartezeiten gering. Kann Uber gewährleisten dieses Niveau zu übertreffen?

    7) „Bei „offline“-Taxis ist auf Grund des fehlenden Wettbewerbes …“

    Offline Taxis gibt es nicht. Alle sind mit diversen Gadgets unterwegs, um für Taxizentralen und Taxi-Apps erreichbar zu sein. Zumindest für Berlin kann ich sagen, das es nicht an Wettbewerb mangelt. Hier sieht man häufig mehrere Fahrzeuge an Taxiständen, die auf Kundschaft warten.

    Der Erfolg von Uber ist davon abhängig die jetzigen Preise unterbieten zu können. Und jetzt schaue man sich bitte die Einkommen im „Taxi-Kartell“ an:

    http://www.gehaltsvergleich.com/gehalt/Taxifahrer-Taxifahrerin

    http://gestern-nacht-im-taxi.de/wordpress/2012/03/08/die-wahrheit-uber-den-verdienst-als-taxifahrer/

    Wer für diesen Sektor mehr Wettbewerb (also Preisdruck) fordert, ist, mit Verlaub, ein ***.

    8) „Innovation kostet in bestimmten Bereichen Arbeitsplätze. In anderen Bereichen werden hingegen wieder neue Jobs geschaffen.“

    Uber ist nur eine weitere Taxizentrale deren „Innovation“ darin besteht Bestimmungen fürs Taxigewerbe umgehen zu wollen. Was schafft Uber für die Fahrgäste und für die Gesellschaft im ganzen (der Artikel dreht sich ja um den Standort Dtl.) das eine „Disruption“ des Taxigewerbes rechtfertigen würde?

    9) „Ein freier Markt existiert aber nicht. Wie auch, wenn Preise staatlich festgelegt werden!“

    Einen freien Markt gibt es nirgends. Es gibt überall gesetzliche Vorgaben. Und aus Sicht der Gerichte hat Uber diese missachtet. Hier wurden also nur die gleichen Wettbewerbsbedingungen für alle Teilnehmer im Taxi-Bizz durchgesetzt.

    Wo legt der Staat Preise fürs Taxigewerbe fest?

    10) „Wenn Deutschland weiterhin in der Welt eine Wirtschaftsmacht sein will, dürfen Innovationen nicht verboten werden.“

    Herr Markowetz, die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands ist zum Glück nicht von Firmen wie Uber abhängig. Mit dem jetzigen Geschäftsmodell trägt diese Firma nur zu einer weiteren Prekarisierung von Geringverdienern bei. Unternehmen, die mit ihren Services und Produkten in Dtl. gut bezahlte Arbeitsplätze schaffen und die Mittelschicht stärken, halte ich für geeigneter weiterhin Wohlstand zu generieren.

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    • 19. März 2015 at 15:54
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      Oh nein, ich nutze nur die Kritik an UberPop. Die Kritik wird in vielen Fällen berechtigt sein. Problem ist meiner Meinung nach der zu schnelle Ruf nach Verboten.

      1) Das habe ich aufgegriffen, da es häufig in der Debatte von Politikern genannt wird. Speziell auf UberPop ist das natürlich nicht zu beziehen.

      2) Um ehrlich zu sein: vielleicht ja? Weder das eine noch das andere kann ich belegen. Deshalb bin ich da vorsichtig, warum das jemand vielleicht machen könnte. Vielleicht der „Reiz des Neuen“?

      3) Genau, bei beiden (Taxis, UberPop) muss man sich darauf verlassen.

      4) Das wird nicht gegen den Fahrer ausgelegt. Aber die Fähigkeit die Stadt/Örtlichkeit so gut zu kennen, wurde halt auch digitalisiert und ist für Jedermann verfügbar. Und mit dem selbstfahrenden Auto von google wird sich das alles eh erledigt haben. Laut einem ADAC Test aus dem Jahr 2014 sind einige Fahrer auch mal ein paar Umwege gefahren. (Ich weiß … kann man dem ADAC vertrauen?)

      5) Ist es die Aufgabe des Staates, ein Bewertungsportal für Taxis und Taxifahrer zu starten? Glaube ich nicht. Aber durch UberPop ist die Taxibranche gezwungen, das schnell selber nachzuholen. Und einiges tut sich da ja.

      6) Die können da weg.

      7) Der Wettbewerb lässt aber fast keine Konkurrenten zu. Die Markteintrittsbarrieren sind sehr hoch. Konzessionen schwer zu erhalten.

      8) Das stimmt, die Innovation kommt in der Regel (auch hier) nicht unbedingt durch eine App zustande. Im Sinne Schumpeters, der sagt, Innovation sei, wenn man das Alte auf eine neue Weise tut, hier die Regulierungen zu prüfen auf Sinnhaftigkeit und Verbesserungen einzuführen. Einheitlicher Tarif, Fahrerbewertungen etc … Uber war nur der Anlass generell über das Thema nachzudenken, da der Rahmen mehr oder weniger schön überschaubar ist.

      9) Das stimmt. Eine Phrase die gerne verwendet wird. Gutes Buch btw:
      23 Things They Don’t Tell You About Capitalism von Ha-Joon Chang

      Taxipreise werden den Städten, Gemeinden oder Kreisen festgelegt und sind für alle Taxis bindend.

      10) Korrekt! Auch ich bin froh, dass UberPop sich nicht so mir nix dir nix hier breitmachen kann. Es sollte auch nur ein Aufhänger gewesen sein um an ein solches Thema heranzukommen. Ob das gelungen ist muss jeder für sich selbst beurteilen.

      Mit der Digitalisierung der Fertigungstechnik – oder Industrie4.0 – treten wir bald in eine neue Thematik ein. Sie verspricht Innovation, aber ich glaube, dass wir hier noch hinterherhinken. Und nicht nur bei der Internetverbindung in den Hochschwarzwald. Es wird dann auch Veränderungen bei den Arbeitnehmern und Tätigkeiten geben, die die Gesellschaft verändern. Ein Beitrag dazu ist in Planung.

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      • 19. März 2015 at 16:47
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        Danke für Ihre weiteren Ausführungen.

        zu 5) Ich glaube, da haben Sie mich falsch verstanden. Der Staat braucht kein Bewertungsportal starten – er betreibt ja kein Taxibusiness. Wenn, muss das von den Taxiunternehmen ausgehen.

        Die Standortdefizite in Deutschland mit Blick auf Netzausbau, Chancen für Startups etc. zu beleuchten ist vollkommen okay. Ich glaube jedoch das Uber ein unpassendes Beispiel dafür war.

        Tip für eine weitere Untersuchung:
        Mangelnde Netzgeschwindigkeit in Dtl. als Problem für Firmen im Streaming- und Bewegtbildbereich. Hier wird u.a. darüber berichtet:
        http://freakshow.fm/fs121-you-will-never-leave-the-american-sector

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        • 20. März 2015 at 09:09
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          Ok verstehe. Genau, das ist was für Taxibetreiber. Da war der Impuls sicher gut durch Uber, etwas (oder mehr und oder schneller) ähnliches zu starten.

          Uber war halt ein netter Anlass, allerdings hätte ich Uber mehr Lernfähigkeit zugetraut. Durch diese komische Art haben die mMn keine Chance mehr. Da ist der Name schon zu sehr in Mitleidenschaft gezogen worden. Glück für die deutsche Konkurrenz.

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  • 10. Juli 2015 at 07:59
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    Bei der Betrachtung des Taximarktes sollte man ein wichtiges Argument nicht außen vor lassen, welches eine Menge erklärt: Taxis sind Teil des ÖPNV, des öffentlichen Personen-Nah-Verkehrs. Das ist eine Aufgabe des Gemeinwesens. Daher muss auch das Gemeinwesen den Rahmen vorgeben, in dem diese Dienstleistung am Bürger stattfindet. Das ist eine Mobilitätsdienstleistung, die Bus, Staßenbahn etc. in bestimmten Bereichen ergänzt und wo von den Mitgliedern eines Gemeinwesens erwartet wird, das die zur Verfügung steht. Ausgeführt wird die Leistung von Unternehmen, die in diesem Rahmen Geld verdienen, klar, die vorallem aber jede Menge Pflichten haben. Dieses „Kartell“ ist eigentlich gar keins, wenn man abstrahiert, das es sich bei dem Taxidienst in einer Stadt oder in einem Kreis sich im Grunde eigentlich um genau einen! Auftrag mit einem Auftraggeber, nämlich der jeweiligen „Regierung“ handelt. Das hat auch nichts mit der individuellen Bezahlung zu tun.

    Im Vergleich würde auch niemand auf die Idee kommen, das es sich bei den öffentlich im Linienverkehr verkehrenden Busunternehmen einer Stadt um ein Kartell handelt. Auch da konkurrieren verschiedene Unternehmen, die Fahrer und Fahrzeuge stellen und zu vorgegeben Bedingungen, wie z.B. einheitlichen vorgegebenen Fahrscheinpreisen ihr individuelles Geschäft mit jedem Fahrgast machen. Im Gegenzug gibt es halt Zugeständnisse, das halt nicht plötzlich der Mitbewerber einfach so ohne sich an die Pflichten zu halten immer eine Minute eher an der Haltestelle ist oder einen Rabatt auf den offiziellen Fahrscheinpreis einräumt.

    Und wer abseits dieses öffentlichen Geschäfts eine Dienstleistung anbieten will, der kann das doch tun. Du kannst genauso einen bus chartern, wie Du auch ein uber black rufen kannst. Das ist dann aber nicht mehr ÖPNV und darf dann natürlich auch nicht die Zugeständnisse an das ÖPNV-Geschäft für sich beanspruchen, wie es uber pop tut.

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    • 15. Juli 2015 at 07:11
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      Busunternehmer stellen sich einer Ausschreibung. Deshalb kann man da nicht vom Kartell sprechen. Da kann sich dann jedes Busunternehmen drauf bewerben. Und der Beste (Billigste?) gewinnt.

      Taxis und ÖPNV. Ja das wird so gerne und so häufig hervorgebracht. Anfang des Jahres war das in Freiburg ein riesen Thema (und ich kenne das auch aus anderen Städten) dass sich nämlich viele Kunden beschweren, sie wären abgewiesen worden. Vielen Taxifahrern sind gewisse Strecken einfach zu weit. Mit einem wirklichen ÖPNV hat das nichts zu tun.

      Das Problem ist doch der klassische Beissreflex. „Da kommt was Neues, warum sollen wir uns das überhaupt anschauen, haben wir doch schon immer anderes gemacht, warum jetzt ändern??“ Bei Taxis ist das vielleicht nicht so schlimm, was ist, wenns mal um wichtige Themen geht?

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