Mit Klimaschutz Geld verdienen oder untergehen: Die Zukunft des deutschen Wirtschaftsmodells

Die Zeiten Deutschlands als Exportweltmeister sind seit Jahren Geschichte. Chinas Warenexporte betragen mittlerweile mehr als das Doppelte der deutschen und nach dem EU-weiten Verbrenner-Aus bis zum Jahr 2035 geht ein Raunen durch die Automobilindustrie. Das Image des DAX ist nach der Pleite des Tech-Riesen Wirecard angeschlagen und es macht sich das Gefühl breit, Deutschland hinke bei allem hinterher, was nicht mit Ingenieurskunst und Metallverarbeitung zu tun hat. Wohin führt die Reise für das Land der Dichter und Denker?

Eine der größten Herausforderungen für die hiesige Wirtschaft ist die Überalterung der deutschen Bevölkerung. Deutschland hat eine der ältesten Bevölkerungen der Welt, mit einem Medianalter von 46,1 Jahren. Langfristig wird sich eine schrumpfende Bevölkerung negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes auswirken. Weniger junge Menschen bedeuten auch weniger Erwerbstätige. Dies führt zu einem Mangel an qualifizierten Arbeitskräften und einer geringeren Produktivität. Um dieser Herausforderung zu begegnen, müsste Deutschland die Zuwanderung fördern und das Renteneintrittsalter anheben, um die Menschen länger im Erwerbsleben zu halten.

Eine weitere Herausforderung für das deutsche Wirtschaftsmodell ist der Übergang zu einer nachhaltigeren Wirtschaft. Deutschland ist führend im Bereich der erneuerbaren Energien, hat aber noch einen langen Weg vor sich, um seine ehrgeizigen Klimaziele zu erreichen. Das Land muss den Übergang zu erneuerbaren Energien beschleunigen und seine Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringern. E-Fuels werden dabei nicht die Lösung sein. Die Automobilindustrie muss durch die Ziele der EU im Mobilitätssektor schnell neue Elektromobilitätskonzepte entwickeln.

Dabei muss klar sein, dass ein derart auf den Außenhandel ausgerichtetes Land wie Deutschland nicht im luftleeren Raum agiert. Der Angriff Russlands auf die Ukraine und die Corona-Pandemie haben die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von ausländischen Rohstoffen und Lieferketten schmerzlich in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Bei einer Transition der deutschen Industrielandschaft müssen diese Abhängigkeiten sorgfältig gewählt werden. Egal, ob beim intelligenten Stromnetz, Elektroautos oder einem intelligenten Schienennetz. Für alles werden Seltene Erden benötigt und die kommen meist aus China. Der Fund dieser Rohstoffe in Schweden lässt zumindest einen Silberstreifen am Horizont der Energiewende erkennen.

Trotz dieser Herausforderungen gibt es aber auch Gründe, optimistisch in die Zukunft des deutschen Wirtschaftsmodells zu blicken. Deutschland verfügt über hochqualifizierte Arbeitskräfte und eine starke industrielle Basis, die gut positioniert ist, um von neuen Technologien wie der Künstlichen Intelligenz und dem Internet der Dinge zu profitieren. Diesen Innovationen muss aber auch Raum gegeben werden, um sich zu entwickeln. Angesichts der stetig wachsenden bürokratischen Anforderungen an Unternehmen, die stellenweise dieselben Kosten wie die Forschung und Entwicklung neuer Produkte aufwirft, behindert sich Deutschland selbst.

Deutschland kämpft an mehreren Fronten gleichzeitig. Während die demographische Entwicklung und Abwanderung gut ausgebildeter Arbeitskräfte das Humankapital erodieren, machen bürokratische Auflagen und hohe Lohnnebenkosten den Standort international unattraktiv. Durch die selbst gesetzten Ziele im Klimaschutz und der gewollten Transition der Industrie hin zu erneuerbaren Energien im Rahmen der Energiewende, wird die Situation weiter belastet. Deutschland muss zeigen, dass es mit sauberen Energien Geld verdienen kann und diese Technologien international erfolgreich vermarkten. Andernfalls reguliert es sich selbst zu Tode und schreckt andere Länder davon ab, ihr eigenes Wirtschaftsmodell klimafreundlich anzupassen.

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