Grasgrün ist die Hoffnung

Die Ampelkoalition will die kontrollierte Abgabe von Cannabis zu Genusszwecken erlauben. Der Vorstoß löste sowohl Euphorie als auch Verunsicherung aus. Während die einen vor den Gefahren einer Legalisierung warnen, sehen andere die Chance auf eine zeitgemäße Drogenpolitik.

Egal, ob in Kanada, Uruguay oder Georgien: vielerorts darf legal gekifft werden. Außer in der Bundesrepublik Deutschland. Denn hier ist der Besitz von Cannabis zu Genusszwecken verboten und wird mit empfindlichen Strafen geahndet. Trotzdem hat über ein Viertel der Deutschen Gras schon mal ausprobiert. Da das Verbot der Droge wenig Wirkung zeigt, setzt sich die Ampelkoalition für ein Cannabiskontrollgesetz ein, das die legale Abgabe von Gras ermöglichen soll. Was sich nach einer Kapitulation des Rechtsstaats anhört, ist jedoch ein überfälliger Schritt.

Fest steht: Cannabis kann süchtig machen und der Gesundheit schaden. Was am Anfang hin und wieder ein Joint ist, kann schnell zur Konsumgewohnheit werden. So schätzen Experten, dass weltweit 10 Prozent der Kiffer süchtig sind. Während körperliche Nebenwirkungen selten auftreten, bereiten vor allem psychische Folgen den Suchtmedizinern Sorge. Studien belegen, dass Cannabiskonsum Psychosen auslösen kann. Je häufiger und je früher angefangen wird zu kiffen, desto größer das Risiko psychischer Folgeschäden. Legalisierungsgegner befürchten daher, dass durch eine Entkriminalisierung mehr Gras konsumiert werden könnte und Jugendliche früher zum Joint greifen. Zwar kann der Verkauf mit Maximalabnahmemengen beschränkt und der Erwerb nur für Volljährige gestattet werden, allerdings zeigt die Alkoholpraxis, wie wenig solche Maßnahmen vom Konsum abhalten.

Ein Vergleich mit den Niederlanden zeigt jedoch, dass eine Legalisierung nicht automatisch zu mehr Konsum führen muss. Obwohl der Erwerb von Cannabis im Nachbarland toleriert wird, kiffen dort nur geringfügig mehr Menschen als hierzulande. Gleichzeitig greifen die Deutschen vergleichsweise häufig zum Alkohol. So häufig, dass von jährlich 74.000 Todesopfern durch Alkoholmissbrauch ausgegangen wird. Im Vergleich dazu sind keine Todesfälle durch Cannabiskonsum bekannt. Warum also am Verbot der „harmloseren“ Droge festhalten?

Der Vergleich hinkt allerdings. Denn nur, weil eine Droge Schaden anrichtet, ergibt sich noch keine Notwendigkeit dazu, alle weniger schädlichen Rauschmittel legalisieren zu müssen. Ohnehin sollten Menschen, die auf ihre Gesundheit achten, auf sämtliche Drogen verzichten. Doch das interessiert die wenigsten und so gehört der Alkoholkauf im Supermarkt für viele zum Alltag, während sich Cannabis-Konsumenten regelmäßig zur Beschaffung in den Schwarzmarkt begeben. Problematisch ist, dass hier nicht festgestellt werden kann, welche Qualität die Drogen haben. Während über den Bierkonsum das Deutsche Reinheitsgebot wacht, ist die Palette an Streckmitteln bei Cannabis grenzenlos und hochgradig gesundheitsschädigend. So warnt das Bundeskriminalamt regelmäßig vor verunreinigtem Cannabis, dem synthetische Streckmittel beigefügt wurden, die eine schnelle Sucht unterstützen. Neben Produkten von schlechter Qualität tummeln sich in Dealer-Sortimenten häufig auch harte Drogen. Während in lizensierten Cannabisgeschäften der Kauf von Kokain nicht möglich wäre, kann der Konsument am Schwarzmarkt leicht darauf zurückgreifen.

Vor diesem Hintergrund würde eine Legalisierung die Chance bieten, Kontaktpunkte mit dem Schwarzmarkt abzubauen und den Handel von verunreinigtem Gras zu reduzieren. Obwohl der Cannabiskonsum nicht zu verharmlosen ist, sollte die Bundesregierung daher ihre Pläne einer Entkriminalisierung weiter vorantrieben, denn erst durch das Verbot entstehen Risiken, die die Gefahren eines reglementierten Verkaufs übersteigen.


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