Was wir aus der Pandemie lernen können: Wir brauchen ein Familienwahlrecht!

Freitag, der 13. März 2020: Alle Bundesländer entscheiden sich, die Schulen pandemiebedingt zu schließen. Jedoch zeigen sich schnell Probleme. Die Ursachen sind nicht unbekannt und weisen auf ein generelleres Problem: Kinder und Jugendliche finden in der Politik zu wenig Beachtung. Aber wie lässt sich dies in Zukunft ändern?

Pandemiebekämpfung: Auf Kosten der Jüngeren?

„Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung: keine Bildung“, wusste schon John F. Kennedy. Trotzdem scheint es in Deutschland keinen ausgeprägten Willen zu geben, in Schulen zu investieren. Lange hatte das keine unmittelbar greifbaren Auswirkungen, doch die Corona-Pandemie legt die Folgen nun schonungslos offen. Egal, ob digitale Geräte, W-LAN oder IT-Kenntnisse der Lehrkräfte: nichts ist auf dem neuesten Stand, wenn es sie überhaupt gibt. Kombiniert mit fehlenden Konzepten bei der Pandemiebekämpfung in Bildungseinrichtungen wurde das Lernen in Zeiten der Schulschließung zu einer ganz neuen Herausforderung.

Die Auswirkungen zeigen sich im Lernfortschritt der Kinder und Jugendlichen. Homeschooling als Überbrückungslösung funktionierte nicht, denn nur 6 Prozent der Schüler kamen in den Genuss von täglichem gemeinsamen Online-Unterricht. Insgesamt hatten Schülerinnen und Schüler bis zu achteinhalb Monate lang keinen Präsenzunterricht und verbrachten deutlich weniger Zeit mit dem Lernen. Für Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen Haushalten ergeben sich hierdurch gewaltige Lernrückstände. Chancengleichheit konnte und wollte sich Deutschland in der Pandemie scheinbar nicht leisten.

Auch die soziale Entwicklung der Kinder und Jugendlichen wurde durch die Pandemie negativ beeinflusst. Durch die Pandemiebekämpfung brachen alltagssichernde Strukturen weg. Kinder und Jugendliche bewegten sich weniger, ernährten sich häufig ungesünder und die Mediennutzung stiegt stark an. Nach dem ersten Schullockdown wiesen doppelt so viele Jungen und sogar dreimal so viele Mädchen wie zuvor klinisch relevante depressive Symptome auf.

Die Politik vernachlässigt die Jüngeren, nicht erst seit der Pandemie

Doch all diese Auswirkungen wurden und werden von der Politik nicht hinreichend berücksichtigt. Im Vergleich zu den Hilfen für die Wirtschaft wirkte die Unterstützung der Politik für Kinder und Jugendliche wie ein schlechter Scherz. In Schulen hieß es nach zwei Jahren vielerorts noch Stoßlüften, da versprochene Luftfilter nicht vorhanden waren. Je nach Bundesland gab es unterschiedliche Regeln und für den nächsten Herbst mit einem möglichen neuerlichen Aufflammen der Pandemie besteht eine große Unsicherheit, ob zum Distanzunterricht zurückgekehrt werden muss.

Doch nicht nur bei der unzureichenden Pandemiebekämpfung an den Schulen merkt man, wie die Politik Kinder und Jugendliche vernachlässigt, sondern auch an vielen anderen Stellen. “Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus” besagt zwar Artikel 20 des Grundgesetzes, doch ist dies wirklich der Fall? Das Wahlrecht auf Bundesebene schließt alle Menschen unter 18 Jahren aus. Somit wurden in der letzten Wahl wieder mehr als 13 Millionen Wählerinnen- und Wählerstimmen nicht gehört. Vielmehr stehen die Interessen der älteren Generation im Fokus. Logisch, denn mit fast 40 Prozent der Wahlberechtigten, die über 60 Jahre alt sind, entscheiden diese über die Zukunft der Politikerinnen und Politiker.

Familienwahlrecht: Die Lösung?

Eine Möglichkeit, Themen der Jüngeren stärker in die Politik zu bringen, wäre das Familienwahlrecht. Dabei wählen Eltern für ihre Kinder. Jedes Elternteil hat eine halbe Stimme pro Kind. Die Kinder haben damit noch immer keine direkte Stimme, jedoch sollten wir davon ausgehen, dass Eltern zum Wohle des Kindes handeln. Solch eine Wahlrechtsreform würde Anreize geben, Zukunftsfragen stärker zu priorisieren. Klimapolitik, Staatsverschuldung sowie Familien- und Bildungspolitik würden an Bedeutung gewinnen.

Die genaue Umsetzung wirft zweifellos Fragen auf. Wer ein Familienwahlrecht aber generell für undenkbar hält, dem sei gesagt: in der Vergangenheit wurden viele Bevölkerungsgruppen von Wahlen ausgeschlossen. Lange war auch ein Frauenwahlrecht nur eine Utopie, heute ist es normal und stärkt die Demokratie. Das Familienwahlrecht würde jungen Menschen mehr Gehör verschaffen und für mehr Generationengerechtigkeit sorgen. Und das ist bitter nötig!

Über den Autor/die Autorin

Anna-Catharina Meister

Die Autorin studiert im Master Volkswirtschaftslehre an der Universität Freiburg. Sie interessiert sich hauptsächlich dafür, wie zukünftig Wirtschaft, Ökologie und Gesellschaft in Einklang gebracht werden können. Dabei wirft sie gerne einen Blick auf psychologische Faktoren, die unsere Entscheidungen beeinflussen.

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