Atomkraft – Ja, bitte???

Die EU-Kommission stuft Atomenergie als grün ein, während das letzte deutsche Atomkraftwerk vom Netz geht. Beides jeweils mit dem Argument der Rettung unseres Planeten, schließlich wir müssen nachhaltiger wirtschaften und Emissionen radikal reduzieren. Aber zu welchem Preis? Ist der „saubere“ Atomstrom die Rettung unserer Klimapolitik? Eine politische Illusion.

Die EU-Kommission hat im Februar 2022 in der so genannten EU-Taxonomie die Atomenergie als „sichere und grüne“ Technologie eingestuft. Diese Taxonomie bewertet und klassifiziert wirtschaftliche Aktivitäten anhand deren Nachhaltigkeit, um eine Grundlage für Finanzierungsentscheidungen zu schaffen. Die Einschätzung von Atomenergie als nachhaltig führt vor allem dazu, dass die Finanzmärkte diese Form der Energie als mittel- bis langfristig abgesichert für ihre Finanzanlagen ansehen und somit Anreize für Investitionen in Atomenergie haben.

Atomenergie soll laut der EU-Kommission als Brückentechnologie den Übergang zu erneuerbaren Energien wie Wind- und Solarenergie erleichtern. Schließlich stoßen Atomkraftwerke  kein CO2 aus und würden so Europa dabei helfen, bis zum Jahr 2050 Klimaneutralität zu erreichen. Doch bereits vor der Veröffentlichung wurden Zweifel daran geäußert, ob der Vorstoß der Kommission mit den Umweltzielen der Taxonomie vereinbar ist. Alle grünen Technologien sollen Umweltverschmutzung vermeiden und die Ökosysteme schützen; sie sollen „keine wesentliche Belastung“ erzeugen. Aber genau das macht Atomenergie.

Nicht nur sind Kernkraftwerke anfällig für Naturkatastrophen, auch produziert die Atomwirtschaft bei der Stromgewinnung viele hunderttausend Jahre hochradioaktiv strahlenden Abfall. Dieser muss deshalb für mindestens eine Millionen Jahre sicher in Endlagern aufbewahrt werden. Doch genau diese Art von Lagern hat bis heute noch kein europäisches Land außer Finnland gefunden. Alle anderen Länder bringen die hochgiftigen Abfälle in Zwischenlagern unter und verlagern so das Problem in eine unbestimmt entfernte Zukunft. Bis zum Jahr 2031 will Deutschland sein Endlager für den Atommüll der letzten 60 Jahre gefunden haben. Ob dies gelingen wird, ist unklar.

Während sich der Atommüll weiter anhäuft, versucht Deutschland seit 20 Jahren von der Atomkraft wegzukommen. Nachdem die Bundesregierung 2010 entschied, den ersten Atomausstiegsbeschluss von 2002 zu verzögern, hat sich 2011 mit der Reaktorkatastrophe in Fukushima die Risikobewertung der Kernenergie geändert. Es wurde beschlossen, dass Atomkraft keine Zukunft haben soll: bis Ende dieses Jahres werden endgültig alle Atomkraftwerke vom Netz gehen. Sinnvoll, wenn man sich vor Augen führt, wie unverhältnismäßig groß die gesellschaftlichen Kosten gegenüber den Nutzen der Atomenergie sind. Die erreichbare Klimafreundlichkeit durch CO2-neutrale Atomstromherstellung steht nicht im Verhältnis zu den Umweltrisiken des Atommülls.

Ziel der Bundesregierung ist es, bis 2050 nur noch erneuerbaren Strom zu produzieren und gleichzeitig eine bezahlbare und sichere Energieversorgung zu gewährleisten. Klimaschutz und die Sicherstellung der deutschen Wettbewerbsfähigkeit sind unabdingbar, jedoch wird Atomkraft diese Herausforderung nicht erleichtern. Ein möglicher Atom(wieder)einstieg ist nicht nur politisch untragbar, sondern auch vollkommen irrelevant für den Klimawandel. Die risikoreiche Technologie ist nicht nachhaltig, zu langsam, zu teuer und blockiert gleichzeitig Investitionen in erneuerbare Energien, die so dringend gebraucht werden.

Inzwischen hat sich das EU-Parlament – in unerwarteter Weise – gegen die Einstufung der EU-Kommission positioniert. Jedoch ist noch offen, ob diese bei der Abstimmung zur Taxonomie Anfang Juli final gekippt wird. Für effektiven Klimaschutz muss die Energiewende zu den Erneuerbaren gelingen, weshalb der Irrweg Atom endgültig verlassen werden muss. Ganz nach dem Motto: Atomkraft – Nein danke!

Über den Autor/die Autorin

Anna Wieselmann

Die Autorin studiert Volkswirtschaftslehre in Freiburg und interessiert sich besonders für Klima- und Ordnungspolitik. Neben dem Studium arbeitet sie in Social Impact Projekten zu politischem Engagement.

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