(Miss-)Trauen gegenüber WhatsApp und der Corona-Warn-App

Weiterhin ist ein Treffen mit alten Freunden oder der Familie nur sehr eingeschränkt möglich. Da ist der Griff zum Smartphone ein schneller und die physische Nähe zu anderen entwickelt sich mehr und mehr zu einer digitalen Nähe über Social-Media-Plattformen. Dass wir dabei ein Risiko beim Datenschutz eingehen, ist wohl den meisten bekannt. Doch warum scheint dieser bei manchen Apps, wie WhatsApp, weniger wichtig zu sein als bei anderen, wie der Corona-Warn-App?

58 Millionen Deutsche benutzen täglich WhatsApp. Dabei wird der Datenschutz oft kaum hinterfragt, denn der aus WhatsApp resultierende Nutzen, nämlich die Kommunikation und der Austausch mit beinahe jedem Bekannten, scheint für viele den kritischen Umgang mit persönlichen Daten zu überwiegen. Die Server, auf denen Daten von WhatsApp gespeichert werden, befinden sich in Kalifornien. Sie unterliegen damit keinen so strengen Datenschutzanforderungen wie es bei der Datenschutz-Grundverordnung der EU der Fall ist.

Die neuen Nutzungsbedingungen vom Januar 2021 erlauben WhatsApp unter anderem die Weitergabe personenbezogener Daten an Dritte, wie zum Beispiel an Facebook, und das Anlegen eines Nutzerprofils. Zu diesen personenbezogenen Daten gehören neben dem eigenen Namen auch das Adressbuch und andere Dateien, die sich auf dem Smartphone befinden, etwa Foto- und Audiodateien. Dieser Umgang mit Daten ist eindeutig weniger wünschenswert, doch aufgrund des hohen Vernetzungsgrads wird dies von den meisten Nutzern vernachlässigt.

Die Corona-Warn-App wurde etwa 25,7 Millionen Mal in Deutschland heruntergeladen – die tatsächliche Nutzeranzahl ist dabei schwierig einzuschätzen, da manche die App auf mehreren Geräten installieren. Laut einer Studie der Frankfurter Goethe-Universität hängt die Bereitschaft, die Corona-Warn-App zu installieren, einerseits von dem Kenntnisstand des Einzelnen über die App und andererseits von dessen Lebenssituation ab. Befindet man sich häufiger in Kontakt mit anderen Personen, beispielsweise in öffentlichen Verkehrsmitteln oder beim Einkaufen, oder gehört man einer Risikogruppe an, so steigt die Bereitschaft, die App zu installieren. Es kursieren jedoch viele Unsicherheiten in Bezug auf den Umgang mit persönlichen Daten. Zudem zögern viele, die App zu installieren, da sie eine Kontrolle durch den Staat befürchten, welche beispielsweise die zu benachrichtigenden Kontakte bei positivem Test vorschreibe oder das Einhalten der Kontaktverbote überprüfe. 

Diese Horror-Szenarien entsprechen nicht der Wahrheit, ganz im Gegenteil: Die Corona-Warn-App ist sehr sicher, da sie den strengen Anforderungen der Datenschutz-Grundverordnung unterliegt und nur so wenig personenbezogene Daten wie nötig verarbeitet. Die Datenschutzerklärung der Corona-Warn-App versichert unter anderem, dass keine Möglichkeit der Rückverfolgung auf die eigene Person möglich ist und dass die Daten auf dem App-Speicher spätestens nach 14 Tagen und die auf den Serverspeichern, welche sich innerhalb der EU befinden, spätestens nach 21 Tagen gelöscht werden. Die Bundesregierung versucht, die Skepsis gegenüber der Corona-Warn-App unter anderem auf ihrer Webseite durch mehr Aufklärung zu mildern. 

Es liegt auf der Hand, dass beide Apps auf unterschiedlicher Ebene sowohl für den Einzelnen als auch für das Kollektiv nutzenstiftend sind: Sei es durch Kommunikation und Austausch oder durch die Prävention einer Infektion. Doch leider wird beim Betrachten des Datenschutzes oft mit zweierlei Maß gemessen, was dringend geändert werden sollte – zu einem einzigen kritischen Maß. Denn unser Smartphone sollte nicht uns, sondern wir es im Auge behalten.

Über den Autor/die Autorin

Anna Trautwein

Die Autorin studiert Latein und Wirtschaftswissenschaften im polyvalenten 2-Hauptfach-Bachelor mit Option Lehramt. Außerdem arbeitet sie als Tutorin in der Mathematik für Wirtschaftswissenschaftler. Ihre akademischen Interessen sind in Latein vor allem die römischen Philosophenschulen. In Wirtschaft interessiert Sie sich neben der Mathematik für verbraucherpolitische Themen und befasst sich zudem gerne mit wirtschaftsphilosophischen Fragestellungen.

1 Kommentar

  • Ein interessantes Thema, welches ein wichtiges Problem aufwirft: Warum wird in der Welt der Digitalisierung immer mit zwei Maß gemessen? Überspitzt ausgedrückt kann sich der Nutzer auf Facebook, TikTok, Instagram und Co. garnicht offen und intim genug präsentieren, sodass am Ende genug Informationen, für den aufmerksamen Beobachter, bereit stehen um diese gewinnbringend (legal/ illegal) zu nutzen. Wenn es jedoch um weniger glitzernde Themen geht, wie Gesundheit, Bewerbungen oder das Gemeinwohl, sind Telefonnummern und Emailadressen ganz plötzlich intime Details, welche nicht oder nur äußerst ungern geteilt werden. Ist das die Logik eines rationalen Menschen? Dieser Artikel ist nicht nur gut geschrieben, sondern auch ein „Wink mit dem Zaunpfahl“ für mehr Denken und Informieren. Unsere Zweigleisigkeit in Sachen Privatssphäre ist dabei nicht nur peinlich, sondern auch wenig professionell. So z.B. wenn es um Infektionsketten geht und um die erschwerte Nachverfolgung von möglichen Infizierten namens Donald und Daisy Duck!

Kommentar hinterlassen