Corona, Schule und Schulden: Langzeitfolgen in jeder Hinsicht!

Ein Jahr Corona und ein Ende ist nicht abzusehen. Die Langzeitfolgen der Pandemie von der Gesundheit bis zu den exorbitant gestiegenen Staatsschulden werden Deutschland noch lange beschäftigen. Eine Langzeitfolge kommt in der Diskussion jedoch zu kurz: die ökonomischen Kosten des Unterrichtsausfalls für Schülerinnen und Schüler – ausgerechnet jene, die später einmal die Corona-Schulden zurückzahlen sollen.

Das deutsche Schulsystem wird schon seit Jahren dafür kritisiert, dass es eine Klassengesellschaft zementiere. Die Chancen der Schülerinnen und Schüler hängen stark von ihrer Herkunft und ihrem Umfeld ab und weniger von ihren individuellen Leistungen. Es ist die Aufgabe und Verantwortung der Bildungspolitik, die resultierenden Ungleichheiten zu reduzieren und jedem Kind die gleichen Chancen zu eröffnen. 

Doch selbst wenn es in dieser Hinsicht in den vergangenen Jahren Anstrengungen gegeben hat, macht die Corona-Pandemie diese zunichte. Wissenschaftler gehen davon aus, dass durch den entfallenen Unterricht in der Pandemie eine große Wissenslücke entstanden ist. Diese trifft einerseits die heutigen Schülerinnen und Schüler im Vergleich zu früheren und zukünftigen Schülergenerationen und andererseits die heutigen Schülerinnen und Schülern untereinander. Einige von ihnen sind deutlich besser durch den Lockdown gekommen als andere. Diejenigen, die eine Betreuung und Unterstützung vor Ort in der Schule am nötigsten hätten, werden durch eine fehlende IT-Infrastruktur der Schulen und einen schlechten eigenen Zugang zu digitalen Angeboten und Unterricht am meisten getroffen.

Die Ausnahmesituation, in der sich die Schülerinnen und Schüler seit dem Ausbruch der Pandemie und dem ersten Lockdown befinden, ist extrem belastend. Vielen Kindern und Jugendlichen, auch und gerade aus bildungsferneren Schicht, fehlt ohne die Schule die Tagestruktur. Das Erlernen sozialer Verhaltensmuster mit Gleichaltrigen wäre in ihrem Alter von größter Wichtigkeit, bleibt jedoch durch den Onlineunterricht nahezu vollständig aus. Was aktuell noch wenig sichtbar ist, aber deutlich werden wird, sobald der Präsenzunterricht wieder regelmäßig stattfindet, sind stark unterschiedliche Wissensstände und damit eine verschärfte soziale Ungleichheit. Die Folgen in schlimmsten Falle: Ausgrenzung, Unsicherheit, Perspektivlosigkeit – und damit verbundene Langzeitschäden psychischer und physischer Natur. 

Untersuchungen aus den USA aus den Zeiten der Schweinegrippe im Jahr 2009 sowie zu früheren Epidemien haben gezeigt, dass Kinder, die sich seinerzeit in Quarantäne oder Isolation befunden haben, fünfmal häufiger auf professionelle Hilfe wegen psychischer Erkrankungen als andere Kinder angewiesen waren. Dabei handelte es sich um Ereignisse von wenigen Wochen und nicht um einen Lockdown oder Einschränkungen des Schulbesuchs von inzwischen über einem ganzen Jahr. 

Dies muss die gesamte Bevölkerung sorgen, denn Deutschland braucht mehr denn je gut ausgebildete und auch psychisch gesunde Menschen. Mit jedem Jahr zusätzlicher Bildung erlangt der Mensch mehr Fähigkeiten, kann produktiver und effizienter arbeiten und steigert schlussendlich den technischen Fortschritt in der heimischen Volkswirtschaft – eine zentrale Voraussetzung für gesamtwirtschaftliche Produktivitäts- und Wohlfahrtssteigerungen. Umgekehrt sinkt die Arbeitsproduktivität durch psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen. Natürlich hängt auch das eigene Gehalt an der individuellen Produktivität. Ein Jahr Bildung bringt durchschnittlich drei Prozent mehr Gehalt ein. Umgekehrt kann eine eingeschränkte Schulbildung das Gehalt auch noch Jahrzehnte später beeinflussen. So zeigen Studien, dass sich das Lebenseinkommen von Schülerinnen und Schülern durch die Kurzschuljahre 1967 und 1968 in Deutschland im Durchschnitt um fünf Prozent verringerte. 

Die Abwägung zwischen den Kosten, die durch eine Schließung der Schulen bei Schülerinnen und Schülern und langfristig für die Volkswirtschaft entstehen, und denen, die der Verzicht auf einen Lockdown verursachen würde, ist definitiv nicht einfach. Sie ist aber für eine ausgewogene Debatte in einem demokratischen Staatswesen höchst bedeutsam. Natürlich muss jedes einzelne Menschenleben geschützt werden, aber genauso wichtig ist es, jedem Kind gleiche und gerechte Chancen zu geben, vor allem in Zeiten wie diesen. Denn Kinder sind unsere Zukunft! 

Über den Autor/die Autorin

Sara Riedel

Sara Riedel kommt aus Freiburg uns studiert Volkswirtschaftslehre im Bachelor an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Hierbei interessiert sie sich vor allem für Internationale Politik, Digitale Ökonomie und Marketing.

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