Spitzensportler im Gefangenendilemma: Letzter Ausbruch Doping

Immer neue Enthüllungen über Dopingmachenschaften überschatten den Zauber von Olympia & Co. Durch die riesigen Geldsummen, die im Sport kursieren, sind die Anreize für Sportler größer denn je, ihre Erfolgschancen durch Doping zu steigern. Dagegen scheint die aktuelle Anti-Doping-Politik nichts ausrichten zu können. Sie bedarf eines Kurswechsels.

In vielen sportlichen Wettkämpfen geht es darum, eine erfolgsversprechende Strategie zu entwickeln, um den Gegner besiegen zu können. Dabei sind die Sportler im Unklaren darüber, welche Strategie ihre Kontrahenten befolgen. Die so genannte Spieltheorie betrachtet solche Formen der „strategischen Interaktion“ aus einer wissenschaftlichen Perspektive.

Auch die Dopingproblematik kann mit Hilfe der Spieltheorie analysiert werden. Nutzt ein Sportler leistungssteigernde Medikamente, verschafft er sich gegenüber seinen Konkurrenten einen Vorteil. Erwartet der Sportler dagegen, dass seine Konkurrenten dopen, würde er sich schlechter stellen, wenn er nicht dopt. Ein faires Verhalten würde ihn selbst schädigen. Jeder Sportler ist im Unklaren darüber, ob sich seine Konkurrenten sportlich fair verhalten werden oder nicht. Genau deshalb ist der Anreiz zu dopen groß. Wissenschaftlich betrachtet ist es für den Sportler die „dominante Strategie“ zu dopen und zwar unabhängig davon, was seine Gegner tun.

Des Weiteren haben Spitzensportler zumeist nur eine kurze Karriere und damit wenig Zeit, genug Geld zu verdienen, um das jahrelange harte Training und die oftmals fehlende Ausbildung zu kompensieren. Leistungssteigernde Medikamente helfen dabei, mehr Wettbewerbe und Preisgelder zu gewinnen und möglicherweise durch den Superstar-Effekt hoch dotierte Sponsorenverträge zu erhalten.

Solange nur Sportler vom Doping betroffen sind und ihr Treiben weitgehend unbeobachtet von der Öffentlichkeit stattfindet, entstünde keine relevante Dopingproblematik. Die Sportler könnten eigenverantwortlich die entstehenden gesundheitlichen Risiken durch Dopingmittel gegen den resultierenden Nutzen abwägen. Allerdings stammt der Großteil der zu erwartenden Einnahmen direkt oder indirekt von den Zuschauern. So entsteht eine paradoxe Situation: Während der einzelne Sportler durch außergewöhnliche Leistungen reicher wird, reduzieren die immer öfter bekannt werdenden Dopingaffären die Zahlungsbereitschaft von Zuschauern und Sponsoren für den Sport in seiner Gesamtheit. Selbst das Image eines Staates wird von den sportlichen Erfolgen, aber umgekehrt eben auch vom Doping beeinflusst. Folglich ist es im Sinne von Politik, Wirtschaft und Vereinen, Doping nicht zu akzeptieren.

Bisher wird bei der Bekämpfung von Doping auf regelmäßige Kontrollen und abschreckende Strafen gesetzt. Das gesamte System ist darauf ausgelegt, Sportler des Dopings zu überführen. Diese Kontrollen sind jedoch sehr kostspielig und zeitaufwändig. Zudem ist es sehr schwierig, die Sportler über ein Trainingsjahr hinweg regelmäßig und unangekündigt zu kontrollieren. Dennoch sind Kontrollen von einer wirklich unabhängigen und durchsetzungsstarken Instanz wichtig, damit es nicht – wie im Beispiel Russlands – zu einer staatlichen Hilfe bei der Vertuschung von Doping kommen kann.

Gleichzeitig müssen die Sportler verstärkt in die Pflicht genommen werden. Die Verbände hätten beispielsweise die Möglichkeit, ihren Athleten mehr Sicherheiten für die Zeit nach ihrer aktiven Karriere anzubieten. Dieses Angebot könnte in Form von monetären Anreizen, Jobangeboten und Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten erfolgen. Im Gegenzug müssten sich die Athleten dazu verpflichten, dem Verband etwa durch einen Blutpass nachzuweisen, dass sie während ihrer gesamten Karriere keine leistungssteigernden Medikamente eingenommen haben. Ein positiver Nebeneffekt wäre, dass sie sich durch die in Aussicht gestellte Unterstützung nach dem Karriereende ausschließlich auf ihr Training und die Wettkämpfe konzentrieren könnten, anstatt sich auch noch um ihre Ausbildung kümmern zu müssen.

Spätestens seit den Olympischen Spielen in Rio befindet sich der Spitzensport in einer großen Krise. Die immer neuen Enthüllungen über Dopingmethoden zeigen, wie nutzlos die aktuelle Politik gegen die Bekämpfung von Doping ist. Der Spitzensport benötigt einschneidende Reformen und muss auch die Athleten stärker in die Pflicht nehmen.

 

Beitragsbild: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Über den Author

Christopher Greiner Christopher Greiner studiert im M.Sc. Volkswirtschaftslehre an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Seine Interessensgebiete umfassen Themen der Wirtschaftspolitik, Entwicklungs- und Wachstumsökonomik.

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