Einwanderung auf den Punkt gebracht

Derzeit hat Deutschland mit einem kaum zu überschauenden Durcheinander im Einwanderungsrecht zu kämpfen. Von den Vorteilen eines Punktesystems wird sich daher viel versprochen. So sollen sowohl die heimische Bevölkerung, als auch die einwanderungswilligen Immigranten enorm davon profitieren.

Bei dem – nach kanadischem Vorbild aufgebauten – Punktesystem handelt es sich um ein Auswahlverfahren, welches die Steuerung von Zuwanderung transparenter gestalten soll. Hierbei müssen einwanderungswillige Bewerber anhand bestimmter Kriterien nachweisen, dass sie über besonders gefragte Qualifikationen verfügen. Das Punktesystem besteht aus den folgenden sechs Kategorien: Ausbildung, Sprachkenntnisse, Alter, Berufserfahrung, Arbeitsverhältnis und Anpassungsfähigkeit. Je nachdem, welche Qualifikationen eine einwanderungswillige Person vorzuweisen hat, werden Punkte für die betreffenden Kategorien vergeben. Schlussendlich werden die Punktzahlen der einzelnen Kategorien addiert. Sollte ein Bewerber einen bestimmten Schwellenwert mit seiner Punktzahl erreicht haben, erhält dieser ein dauerhaftes Bleibe- und Aufenthaltsrecht.

Das Punktesystem verleiht der Politik ein hohes Maß an Flexibilität. Indem es einwanderungswillige Personen durch individuell vergebene Punktzahlen bewertet, ermöglicht dieses System die optimale Steuerung der Zuwanderung. So können die Bewertungskriterien ohne großen Aufwand an die aktuelle Wirtschaftslage und den notwendigen Bedarf an Arbeitskräften in den einzelnen Wirtschaftssektoren angepasst werden. Außerdem bietet es die Möglichkeit, flexibel auf sich verändernde Rahmenbedingungen und regionale Besonderheiten zu reagieren. Daher führt ein Punktesystem, wenn man den Fokus auf die Verteilung der Einwanderer legt, zu einer optimalen Auswahl einwanderungswilliger Personen.

Zudem verleiht das Punktesystem der Einwanderungspolitik ein höheres Maß an Transparenz. Es ist für jeden möglich, die Kriterien, welche für eine Aufnahme entscheidend sind, ohne großen Aufwand einzusehen. Dies bietet die Möglichkeit, sich mit Hilfe des einfach strukturierten und leicht zu verstehenden Einwanderungsrechts sein eigenes Bild über die praktizierte Einwanderungspolitik zu machen. Das hat zur Folge, dass die Bevölkerung eher bereit ist, die Gestaltung der Einwanderungspolitik zu akzeptieren. Hinzu kommt, dass besser informierte Bürger weniger leicht für ausländerfeindliche Parolen empfänglich sind und migrationsfeindliche Ressentiments auf weniger fruchtbaren Boden treffen.

Ein weiterer Vorteil des Punktesystems ist, dass einwanderungswilligen Bewerbern auf einfache und verständliche Weise dargelegt wird, welche Voraussetzungen sie für ein dauerhaftes Bleibe- und Aufenthaltsrecht erfüllen müssen. Gerade Deutschland, das besonders stark unter den Folgen des demografischen Wandels leidet, hat einen sehr hohen Bedarf an hochqualifizierten Facharbeitern aus dem Ausland zu decken. Diese haben jedoch weder das Interesse noch die Notwendigkeit, sich zuerst durch ein extrem kompliziertes Einwanderungsrecht zu kämpfen. Sie haben auch die Möglichkeit, in andere Länder zu gehen. Durch die Einführung des Punktesystems würde der Wettbewerbsnachteil für Deutschland durch die bisherigen Gesetze schlicht wegfallen, was zu einem vermehrten Zuzug hoch qualifizierter Einwanderer führen würde.

Wenn man das aktuelle, schwer zu durchschauende Einwanderungsgesetz betrachtet, kommt man schnell zu dem Schluss, dass Deutschland ein Gesetz benötigt, welches die Zuwanderung effektiv und vor allem einfach steuert. Zudem soll eine klare und leicht zu verstehende Gestaltung des Gesetzes dazu beitragen, dass Deutschland sich zu einem attraktiveren Zielland für junge, qualifizierte Einwanderer entwickelt. Die Einführung eines Punktesystems würde die deutsche Einwanderungspolitik genau diesen Zielen näherbringen und die momentane Verfassung des Einwanderungsgesetzes deutlich verbessern. Hinzu kommt, dass die Erfahrungen, die einige Länder, beispielsweise Kanada, mit einem Punktesystem gemacht haben, durchwegs positiv sind. Unter Betrachtung der genannten Aspekte würde die Förderung eines solchen Punktesystems sowohl der heimischen Bevölkerung als auch den Immigranten durch dessen einfache Handhabe bei gleichzeitig steigender Flexibilität und Transparenz enorme Vorteile verschaffen.

 

Beitragsbild: Yoshi / wikipedia.org

Über den Author

Kai Reiner Ich studiere im 2. Semester im Studiengang M. Sc. Volkswirtschaftslehre an der Albert-Ludwigs Universität Freiburg. Mein Interessensschwerpunkt liegt im Bereich Wirtschaftspolitik, insbesonders Internationale Wirtschaftspolitik, aber auch in der Umwelt- und Entwicklungsökonomik.

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