Pariser Klimakonferenz: Wandel durch Annäherung

Erstmals seit dem Kyoto-Protokoll wurden bei der diesjährigen Klimakonferenz in Paris völkerrechtsverbindliche Verpflichtungen zum Klimaschutz vereinbart. Dominiert wurde die Konferenz von einem eher ungewohnten Bild: Festentschlossen die Erderwärmung zu stoppen, zeigten sich die mächtigsten Männer und Frauen der Welt einig wie nie. Doch wie kam es zu dieser Einigkeit und warum ist deren Beständigkeit umso wichtiger?

Der neue, als historisch betitelte Weltklimavertrag von Paris strahlt neue Zuversicht hinsichtlich der Rettung des Klimas aus. Man darf jedoch nicht vergessen, dass ihm ein langer und steiniger Weg vorausgegangen ist. Unvergessen ist die als Tiefpunkt geltende Konferenz von Kopenhagen aus dem Jahr 2009.

Anders als bei bisherigen Konferenzen wurde diesmal neben der Kooperation viel Wert auf die Selbstbestimmung gelegt. Die teilnehmenden Staaten konnten ihre Klimaschutzziele sowie die damit verbundenen Maßnahmen im Rahmen ihrer Möglichkeiten vorab selbst festlegen. Das Konzept der kooperativen Selbstbestimmung setzte alle Teilnehmer auf die gleiche Ebene und beendete damit die Politik der gegenseitigen Bevormundung. So konnten sich die Teilnehmer auf Augenhöhe annähern. Dass dieses Vorgehen erfolgversprechend ist, zeigt sich an der Tatsache, dass der Vertrag von Paris im Gegensatz zum Kyoto-Protokoll von allen 196 Teilnehmern unterzeichnet wurde. Aufgrund dieser überwältigenden Zustimmung kann man mit einigem Recht von einem Weltklimavertrag sprechen. Zugleich gehen damit jedoch auch umso größere Erwartungen einher. Es ist also von eminenter Wichtigkeit, dass den Worten nun auch Taten folgen.

Als Grundlage dient die in Paris beschlossene Vorgabe, dass die Erderwärmung deutlich unter zwei Grad, besser noch unter 1,5 Grad, gehalten werden soll, um das ökologische Gleichgewicht auf Dauer zu erhalten. Dies ist nur möglich, wenn erneut über Ländergrenzen hinweg kooperiert wird und auf das große Ganze geschaut wird. Es ist daher notwendig, eine gemeinsame Strategie zu entwickeln, denn die unterschiedlichen Ausgangslagen der Mitgliedsstaaten bieten – trotz Paris – ein hohes Konfliktpotenzial und verführen zu egoistischem Handeln. Ziel muss es daher sein, ein Gleichgewicht – unter Ökonomen Nash-Gleichgewicht genannt – zu erreichen, bei dem keiner der Mitgliedsstaaten den Anreiz hat von der gemeinsamen Strategie abzuweichen. Letztendlich sitzen wir alle im selben Boot, unserer Erde.

Die Industriestaaten, allen voran die USA und die EU, haben seit Jahrzehnten Unmengen an CO2 in die Atmosphäre geschleudert und wirtschaftlich davon profitiert. Deshalb müssen sie ihre historische wie globale Verantwortung anerkennen sowie sich ihrer Vorreiterrolle bei den grünen Technologien bewusst werden. Es reicht nicht aus nur die eigenen Energiewenden voranzutreiben. Denn aufgrund der fehlenden Wettbewerbsfähigkeit und der nach wie vor bestehenden Armut in den Entwicklungsländern muss dort von ihnen eine gemeinsame Energiewende vorangetrieben werden. Deshalb sollten die altindustrialisierten Länder ihre Bemühungen, den Schwellen- und Entwicklungsländern einen reibungslosen und vor allem wirtschaftlich reizvollen Umstieg auf saubere Energien zu verschaffen, deutlich intensivieren.

Im Gegenzug müssen die Schwellen- und Entwicklungsländer aber auch einsehen, dass es kein Recht auf Umweltverschmutzung gibt, nur weil andere Länder in der Vergangenheit die Umwelt verschmutzt haben. Dafür sollte ihnen ein Recht auf die Teilhabe am in den Industrieländern – auch mittels Umweltverschmutzung – erlangten technologischen Fortschritt zustehen, wie z.B. durch eine kostengünstige Nutzung grüner Technologien.

Beide Seiten, Industrie- wie auch Entwicklungs- bzw. Schwellenländer sollten also endlich den Tatsachen ins Auge sehen und das aktuelle Moment der Einigkeit zur Annäherung nutzen und sich, wie in Paris, zukünftig auf Augenhöhe begegnen. Denn eines ist klar: ein stabiles ökologisches Gleichgewicht ist nur mit einem fairen Ausgleich ökonomischer Chancen zu erreichen.

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