Super Mario vs. Bitcoin: Knock-out für die EZB?

Mario Draghi hat mit seiner EZB den Euro gerettet, doch die südlichen Länder der Eurozone bleiben wirtschaftlich gelähmt. Hat die klassische Geldpolitik ausgedient? Längst gibt es eine Alternative in Form der Internetwährung Bitcoin. Als Bitcoin-Zone wäre Europa besser durch die Finanzkrise gekommen.

Die Deutschen haben der EZB niemals wirklich vertraut oder, um es mit den Worten Jacques Delors, dem ehemaligen Präsidenten der Europäischen Kommission, aus dem Jahre 1992 zu sagen: „Nicht alle Deutschen glauben an Gott, aber alle glauben an die Bundesbank“. Tatsächlich scheint das Misstrauen begründet zu sein, denn EZB-Präsident Mario Draghi hat mit seiner Euro-Rettungspolitik des „whatever it takes“ zwar die Finanzmärkte zeitweise beruhigen können, doch dabei – wie von vielen Deutschen befürchtet – ein Anreizproblem für die Wirtschaftspolitik vieler Länder geschaffen. Es ist geradezu paradox: Die eigentlich sinnvollen Eingriffe der EZB haben den scharfen Druck der Finanzmärkte, eine Lösung für die tiefer liegenden makroökonomischen Probleme der Eurozone zu finden, von der Politik genommen und damit die desolate Lage der Eurozone erheblich verschärft. Die geldpolitischen Maßnahmen haben weitreichende Schäden angerichtet, etwa in Form von Haftungsrisiken in unvorstellbaren Höhen oder der Aussetzung des Preismechanismus an den Anleihemärkten.

Vor diesem Hintergrund lässt sich ein spannendes Gedankenexperiment durchführen. Wäre es zu der gleichen krisenhaften Entwicklung gekommen, wenn es statt des Euros, den die EZB steuert, die virtuelle Währung Bitcoin als gemeinsame Währung gegeben hätte? Die Antwort lautet: nein, die Krise hätte es in dieser Form nicht gegeben. Das klassische geldpolitische Instrumentarium erlaubt es der EZB, neue Euros quasi auf Knopfdruck zentral zu erschaffen. Dagegen werden Bitcoins dezentral geschaffen, wobei Computer den komplexen Prozess ihrer Schaffung steuern. Im Netz der beteiligten und weltweit verteilten Rechner wird gemeinschaftlich die sogenannte „Block Chain“ erstellt und erweitert. Mit ihr können sämtliche Finanz- und Handelstransaktionen mit Bitcoins aufgezeichnet und nachvollzogen werden. Als Anreiz zur Teilnahme an der Erweiterung der Block Chain wird die verrichtete Arbeit mit Bitcoins entlohnt. Diese Entlohnung stellt den eigentlichen Geldschöpfungsprozess dar.

Die Geldschöpfung ist allerdings nur in einem begrenzten Umfang möglich, denn die Erweiterung der Block Chain wird künstlich erschwert. Wenn mehr Rechenleistung zur Verfügung gestellt wird, beispielsweise durch technischen Fortschritt, steigen die Anforderungen in einer vorhersehbaren Weise mit Hilfe eines allen Beteiligten bekannten Algorithmus und bremsen den Geldschöpfungsprozess auf einem niedrigen Niveau. So ist auch die absolute Höhe der erstellbaren Bitcoins technisch fest vorgegeben und wird schätzungsweise im Jahre 2140 erreicht sein.

Durch die Begrenzung sowohl der Geldschöpfungsrate als auch der maximal erstellbaren Menge an Bitcoins ist ein Schuldenabbau durch Inflation nicht mehr möglich. Das Fehlen einer Zentralbank mit Geldmonopol bedeutet letztlich, dass Maßnahmen wie Mario Draghi sie zuletzt durchgeführt hat, nur noch in sehr begrenztem Umfang oder gar nicht mehr möglich wären.

Wäre die Eurozone eine Bitcoin-Zone und somit ohne Zentralbank mit Geldmonopol, so stünde die reale Politik unter erheblichem Handlungsdruck. Selbst ein Untätigbleiben bei der Krisenlösung, wie es derzeit zu beobachten ist, wäre in diesem Fall ein Handeln gewesen: Das Fehlen eines massiven Hilfsmechanismus für angeschlagene Länder am Rande der Eurozone hätte in einem Bitcoin-Währungsverbund zumindest den Austritt Griechenlands, wenn nicht auch anderer Länder, erzwungen. Der Druck der Märkte hätte diese Länder dann aus ihrer wirtschaftlichen Lähmung befreit, da er sie zu einem umfangreichen Reformprozess gezwungen hätte. Vermutlich hätten sich die südlichen Länder Europas auch gar nicht erst so stark verschulden können, denn ohne eine gemeinsame Zentralbank mit Geldmonopol gibt es auch niemanden mehr, auf den man den Schuldenabbau auslagern könnte. Die berühmte „No-Bailout“-Klausel wäre deutlich glaubwürdiger.

Notenbanken sind zweifellos eine wichtige Errungenschaft. Sie können als „lender of last resort“ den Geschäftsbankensektor in ihrem Währungsgebiet in akuten Krisen durch die kurzfristige Bereitstellung von Liquidität schützen und sie können die Inflationsrate sowie die Realwirtschaft in einem gewissen Maße beeinflussen. Doch eine gemeinsame Währung ohne gemeinsame Fiskalpolitik, wie sie derzeit in der Eurozone existiert, birgt große Risiken. Die Politik hat durch ihre Untätigkeit nicht nur der Eurozone in der Gegenwart geschadet, sondern die EZB zu Handlungen gezwungen, die den Grundstein für die nächste Krise an den Anleihen- und Immobilienmärkten legen. Mit Bitcoins wäre es die Politik gewesen, die zum Handeln gezwungen gewesen wäre.

Über den Author

Andreas Markert Studiert Volkswirtschaftslehre (B.Sc.) mit ordnungspolitischem Schwerpunkt an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

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