Zwei Schwache machen keinen Starken: Warum die Absage der Fusion von Commerzbank und Deutscher Bank richtig war

Einige Monate lang schien es, als ob sich die beiden wichtigsten deutschen Privatbanken zu einer „Deutschen Commerz“ zusammenschließen könnten. Finanzminister Scholz träumte von einem neuen nationalen Champion, der der internationalen Konkurrenz Paroli bieten könne. Nun ist die Fusion abgesagt. Zeit, sich den wirklich wichtigen Problemen, die auf der Agenda stehen, zu widmen.

Der deutsche Bankensektor steht vor einem radikalen Umbruch. Neue umfassende Regulierungsmaßnahmen als Nachwehen der Finanzkrise, die Herausforderung „Digitalisierung“, mangelnde Profitabilität im Privatkundengeschäft oder Probleme im internationalen Investmentbanking sind nur einige Punkte, denen sich vor allem Privatbanken stellen müssen.

Hinzu kam in den vergangenen Monaten eine hyperaktive Politik in Person von Finanzminister Scholz und Staatssekretär Kukies, vormals Investmentbanker bei Goldman-Sachs, die sich – trotz gegenteiliger Beteuerungen – aufgrund der Staatsbeteiligung bei der Commerzbank aktiv ins Geschehen einbrachten und für eine Fusion der Geldhäuser warben. Der Hintergrund war wohl nicht zuletzt, zumindest noch ein wenig Geld mit dem Verkauf der Beteiligung zu verdienen, was ohne die Fusion angesichts der lustlos vor sich hin dümpelnden Aktie wenig wahrscheinlich wäre.

Bei nüchterner Betrachtung hätte die Fusion den beiden Privatbanken wohl keine höheren Gewinne beschert, da sie keine Antwort auf die grundlegenden Probleme einer zunehmenden Regulierung, die mangelnde Rentabilität und die Schwäche im Investmentbanking gewesen wäre. Zwar macht die Commerzbank aktuell wieder leichte Gewinne, jedoch kämpft die Deutsche Bank seit langem mit einer unterdurchschnittlichen Eigenkapitalrendite. Dies liegt vor allem daran, dass die Fusion von Postbank und Deutscher Bank auch nach zehn Jahren noch nicht abgeschlossen ist. Eine neue Fusion würde weiteren Kostendruck auf die Bank bringen. Mögliche Synergieeffekte würden wohl erst nach Jahren sichtbar. So erscheint es wahrscheinlich, dass weitere Kapitalerhöhungen notwendig sind, um die bestehenden Geschäftsmodelle erfolgreich umzubauen. Von den Eigentümern der Banken, einschließlich des Bundes, hätte dies viel Geduld und neuerliche Geldspritzen verlangt.

Dabei kommt als großes Problem hinzu, dass völlig unklar ist, mit welchem neuen Geschäftsmodell die fusionierte Bank danach erfolgreich sein will. Bisher hat die Commerzbank ihre Stärken bei der Finanzierung des deutschen Mittelstandes gehabt, während die Deutsche Bank im Kapitalmarktgeschäft und bei der Exportfinanzierung gut aufgestellt ist. Doch daraus lässt sich keine gemeinsame Geschäftsstrategie ableiten. Lediglich die Größe der fusionierten Bank und ihre verbesserte internationale Wettbewerbsposition könnten Argumente für die Fusion sein. So wäre man vermeintlich besser gegen feindliche Übernahmen aus dem Ausland geschützt, was aus Sicht des Finanzministeriums offenbar ein Vorteil gewesen ist. Tatsächlich wäre die neue Bank nach der Fusion weltweit immer noch nur bestenfalls mittelgroß und stünde im Ranking der größten Banken ungefähr bei Platz 50.

Die global gesehen mittelgroße Bank wäre auf dem deutschen Markt in vielen Bereichen allerdings ein Riese, der im Falle einer finanziellen Schieflage „too big to fail“ wäre. Dies kann eigentlich nicht im Interesse des Staates liegen, denn bei Schwierigkeiten müsste er der Bank in Zukunft erst recht beistehen. Nebenbei würde der Wettbewerb unter den deutschen Banken erheblich beschränkt. Es bleibt unklar, wieso die politischen Protagonisten diese Situation als attraktiv bewerten haben.

Dank der Absage der Fusion bleiben nun Zeit und Ressourcen, um sinnvollere Dingen in den beiden Banken zu tun. Es gilt, die Digitalisierung zu forcieren, um den aufstrebenden FinTechs etwas entgegen zu setzen. Auch im Privatkundengeschäft ist die Zukunft digital, weshalb Produktinnovationen für den sich rasant verändernden deutschen Privatkundenmarkt nötig sind. Die hauseigenen Direktbanken könnten dabei zur neuen Stärke der beiden Häuser werden.

Auch eine weitere Expansion könnte eine Option speziell für die Deutsche Bank sein. Hier steht vor allem das europäische Ausland zur Verfügung, in dem es – dank einer vereinheitlichten Regulierung – in Zukunft einfacher sein wird, Fuß zu fassen. Wenn sich dadurch die Börsenbewertungen der Banken wieder erhöhen, sollten sie auch besser vor Übernahmen geschützt sein.

Über den Autor

Marvin Hampe

Der Autor studiert Volkswirtschaftslehre im M.Sc. an der Uni Freiburg und interessiert sich besonders für finanzwirtschaftliche Themen und gesellschaftliche Auswirkungen der modernen Marktwirtschaft

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