Fleischkonsum in Deutschland: Was eine Steuer schaffen könnte

Es ist das Merkmal der heutigen Generation: Trotz Wissen fehlt der Mut zu handeln. Nach Angaben der Umweltschutzorganisation WWF ist die Tierzucht für ein Fünftel der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Dennoch werden klimaschädliche Fleischprodukte in Deutschland weiterhin steuerlich subventioniert angeboten. Es ist Zeit für eine Kehrtwende.

Das Umweltbundesamt benennt die Landwirtschaft in Deutschland als den Hauptverursacher von Treibhausgasen. Zum einen verursacht der Verdauungsprozess von Rindern einen direkten Ausstoß von Methan. Zum anderen gibt es einen oft übersehenen indirekten Weg, der noch deutlich weittragender ist: Für die Viehzucht muss eine große Futtermenge – vor allem Sojabohnen – bereitgestellt werden. Der Bedarf an Futtermitteln in Europa ist so groß, dass diese aus Südamerika importiert werden müssen. Die notwendige Fläche für die Futtermittelproduktion für die EU beträgt 30 Millionen Hektar, für Deutschland alleine handelt es sich um eine Fläche von der Größe Bayerns.

Für eine Futtermittelproduktion dieser Größenordnung ist oftmals die Rodung von Regenwald die Folge. Bereits 70 Prozent des einst bewaldeten Amazonasgebiets mussten inzwischen für landwirtschaftliche Flächen weichen. Neben dem Verlust des CO2-Speichers Regenwald und der dramatisch abnehmenden Artenvielfalt werden in den neu entstehenden Soja-Monokulturen riesige Mengen Stickstoffdünger eingesetzt, der im Boden zu Lachgas umgewandelt ein weiteres Treibhausgas erzeugt. Und nicht nur am Amazonas tritt dieses Problem auf. Weltweit werden über 70 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen ausschließlich für den Anbau von Futtermitteln verwendet, sodass die klimaschädigenden Wirkungen der Landwirtschaft zum größten Teil durch die Viehzucht verursacht werden.

Besserung ist nicht in Sicht. Der Fleischkonsum pro Kopf in Deutschland stagniert seit dem Jahr 2000 bei ca. 60 Kilogramm pro Jahr. Die gesamtgesellschaftlichen Kosten, die durch diesen Konsum entstehen, werden bereits heute von unserer, aber vor allem von den kommenden Generationen getragen. Hier liegt der typische Fall eines negativen externen Effekts vor. Das heißt, der private Fleischkonsum bürdet der Gesellschaft Kosten auf, die der Konsument selbst aber nicht in voller Höhe zu spüren bekommt. Die Kosten für die Gesellschaft ergeben sich aus den negativen Auswirkungen auf das Weltklima. Eben diese Kosten werden nicht von dem einzelnen Konsumenten getragen, da der Preis für das Stück Fleisch dessen soziale Kosten nicht beinhalten. Dies würde er allerdings dann tun, wenn eine Steuer auf Fleisch eingeführt wird, die gerade die gesellschaftlichen Schäden ausgleicht. Eine derartige, so genannte „Pigou-Steuer“ (benannt nach dem Ökonomen Arthur C. Pigou) gilt in der ökonomischen Theorie als eine akzeptable Maßnahme, um diese spezielle Form des Marktversagens zu korrigieren.

Jedoch wird in der deutschen Politik keine ernsthafte Anstrengung unternommen, dieses legitime wirtschaftspolitische Instrument zur Begrenzung des Fleischkonsums einzusetzen; im Gegenteil: Deutschland subventioniert eine klimaschädliche Landwirtschaft, darunter insbesondere die Fleischproduktion, jährlich mit 57 Milliarden Euro. Dabei gelten Fleischprodukte als „lebensnotwendig“ und profitieren vom ermäßigten Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent. Das Umweltbundesamt fordert seit längerer Zeit, die Mehrwertsteuer auf tierische Produkte auf 19 Prozent zu erhöhen. Die damit einhergehende Preiserhöhung könnte den Fleischkonsum um 10 Prozent verringern und Mehreinnahmen von ca. 5,2 Milliarden Euro generieren.

Dieser Eingriff über das Steuersystem wird immer wieder kritisch diskutiert, da er als Beschneidung der bürgerlichen Konsumfreiheit und der Sozialverträglichkeit betrachtet wird. Tatsächlich aber ist das Gegenteil richtig, wenn die Steuereinnahmen unmittelbar an die Bürger zurückgegeben werden. Die Erhöhung der Steuer um 12 Prozent würde bei gleichbleibendem Konsum zu 11 Euro Mehrausgaben pro Monat führen. Würden die Konsumenten, insbesondere die sozial Schwächeren, eine Ausgleichszahlung in gleicher Höhe erhalten, dann würden sie durch die Steuer finanziell nicht belastet, d.h., sie könnten sich – wenn sie denn wollten – das Fleisch weiter leisten. Tatsächlich haben sich aber die Preisrelationen zuungunsten des Fleischkonsums verschoben. Ein veränderter Konsum mit weniger teurem Fleisch, aber mehr relativ günstiger gewordenem Gemüse oder Getreide wären die klimapolitisch erwünschte Folge. 

Die Besteuerung von Fleisch ist nur ein erster, über den Markt gesteuerter Schritt zu einem geringeren Fleischkonsum. Schätzungen der Universität Oxford zufolge würde eine Fleischsteuer von 40 Prozent eine Reduzierung des Konsums auf akzeptable 400 Gramm pro Woche bewirken. Noch besser aber wäre es, wenn die Konsumenten sich – zum Wohle der kommenden Generationen – einen fleischfreien Tag pro Woche auferlegen würden. Dies würde zu einer jährlichen Einsparung von rund neun Millionen Tonnen Treibhausgas-Emissionen, umgerechnet 75 Milliarden PKW-Kilometern, führen.

Die heutige Generation verfügt über alles notwendige Wissen über die Probleme und Ursachen des Klimawandels. Umso schlimmer ist es, dass sie nicht reagiert. Die Subventionierung von umweltschädlichen Produkten muss gestoppt werden. Da der Bürger durch eine Konsumumstellung nur begrenzt etwas bewirken kann, sollte die Politik ihre Pflicht erkennen und handeln.

Über den Autor

Korbinian Utz

Korbinian Utz studiert Wirtschaftswissenschaft und Chemie im polyvalenten Bachelorstudiengang an der Uni Freiburg und interessiert sich besonders für ordnungspolitische Themen und das Wirken von Anreizstrukturen.

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