Und tschüss! Die EU reguliert die Plastikproduktion

Das EU-Parlament hat ein Verbot von Plastikprodukten beschlossen. Eine Maßnahme, die nötig war, um endlich mit der Müllvermeidung zu beginnen! Doch das Verbot reicht nicht aus. Es wird weiterhin zu viel Müll produziert und somit sind weitere Regulierungen nötig.

Die zunehmende Umweltverschmutzung in Europa zwingt die EU zum Handeln. Pro Jahr produziert ein EU-Bürger im Durchschnitt 31 Kilogramm Plastikabfall. Ein großer Teil des Plastikabfalls landet dabei in der Umwelt. Insbesondere die Weltmeere sind davon betroffen. Allein 80 Prozent des Meeresmülls besteht inzwischen aus Plastik. Dieser bedroht nicht nur die Meereslebewesen, sondern immer stärker auch die Gesundheit der Menschen.

Das EU-Parlament hat daher beschlossen, dass in rund zwei Jahren ein teilweises Plastikverbot in Kraft treten soll. Verboten sind dann die Produktion und der Verkauf von Plastikgeschirr, Plastikstrohhalmen, Wattestäbchen und weiteren Plastikprodukten. Hierbei handelt es sich um Einwegartikel, für die es bereits Alternativen ohne Plastik gibt. Das EU-Parlament glaubt, dass die Verbraucher nicht freiwillig auf Plastik verzichten werden und sieht daher ein Verbot als einzigen möglichen Weg. Kritiker bezeichnen das Verbot dagegen als reine Symbolpolitik, da das Problem Plastik mit geeigneten Verbrennungsanlagen lösbar wäre. Überhaupt sei der europäische Plastikmüll gar nicht das Hauptproblem. Trotzdem ist das Verbot wichtig, denn sowohl Unternehmen als auch Verbraucher bleibt nichts anderes übrig, als auf andere, umweltfreundlichere Materialien zurückzugreifen.

Verbote allein werden jedoch nicht ausreichen. Die EU plant weitere Schritte, um die Umwelt zu entlasten. Unternehmen, die gegen die neuen Richtlinien verstoßen, sollen Aufräumkosten zahlen. Auch dies sei schließlich ein Teil der Herstellerverantwortung. Zwar treibt es die Kosten der Hersteller in die Höhe, wenn diese für ihre Plastikprodukte geradestehen müssen, aber ein Teil der Kosten wird auf den Konsumentenpreis aufgeschlagen. Schließlich sind die Verbraucher über ihre Nachfrage nach Plastikprodukten nicht unschuldig am Plastikmüllberg.

Die EU wird ihre Recyclingsysteme verbessern müssen, damit Plastikprodukte erst gar nicht in der Umwelt landen. Bereits jetzt ist vorgesehen, dass die Recyclingquote bis 2030 auf 60 Prozent gesteigert werden soll. Durch das verbesserte Kreislaufsystem werden Ressourcen geschont und wiederverwertet, wodurch auch ein Teil der für die Herstellung benötigten Energie eingespart wird. Dabei können die Recyclingkosten nach Verpackungsart angepasst werden, sodass Anreize gesetzt werden, auf umweltfreundlichere Verpackungen umzusteigen.

Recycling kann aber nur die zweitbeste Antwort auf das Plastikmüllproblem sein. Noch wichtiger ist die Plastikvermeidung. Ein möglicher Ansatz könnte eine Plastiksteuer sein, wie sie u.a. EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger in die Diskussion gebracht hat. Grünen-Chef Robert Habeck geht noch weiter und möchte direkt den Basisstoff für die Plastikproduktion, Öl, besteuern. Bundesumweltministerin Svenja Schulze ist da zurückhaltender und fordert einen Bewusstseinswandel in Deutschland, der zu einem kritischeren Umgang mit Plastikverpackungen führe. Ein Bewusstseinswandel, wie ihn Frau Schulze will, ist aber eben nur durch Steuern und teilweise Verbote möglich. Zwar klingt der Begriff des Verbots härter als eine Steuer, aber bei Einwegprodukten, die leicht durch andere austauschbar sind, kann dieses der Umwelt helfen. Die Steuer hat aber bei allen anderen Produkten durchaus Sinn, da diese dem Bürger sein Plastik nicht verbietet, aber ihn dazu lenken kann, auf Plastik zu verzichten.

Alle geschilderten Maßnahmen haben ihre Berechtigung und sollten gemeinsam eingesetzt werden. Durch das Zusammenspiel von sinnvollen staatlichen Regulierungen könnten die Umweltschäden reduziert und Plastikabfall vermieden werden. In diesem Prozess wird sich auch das Umweltbewusstsein der Bürger verbessern. Europa als wichtiger Handelspartner anderer Länder kann durch eine gute Plastikpolitik auch ein Vorzeigemodell für andere Länder werden.

Über den Autor

Stefanie Bernauer Stefanie Bernauer studiert VWL im Bachelor an der Uni Freiburg. Ihre Interessen liegen in der Verbraucherpolitik, Finanzwissenschaften sowie in der Umweltpolitik.