Content is King: Warum der DigitalPakt Schule nicht nur am Geld scheitert

Die Bundesregierung will mit dem DigitalPakt Schule die digitale Kompetenz der Schülerinnen und Schüler ausbauen. Doch selbst, wenn die aktuelle Diskussion zwischen Bund und Ländern um die finanziellen Anteile beendet und das längst überfällige Geld unterwegs ist – neue Endgeräte reichen nicht aus, um die Lücke zwischen digitalem Fortschritt und schulischer Bildung zu schließen und im internationalen Kontext aufzuholen.

Die Vermittlung digitaler Kompetenz ist laut Bundesregierung „von entscheidender Bedeutung: für jeden und jede Einzelne, um digitale Medien selbstbestimmt und verantwortungsvoll nutzen zu können und um gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben; und für die Gesellschaft, um Demokratie und Wohlstand im 21. Jahrhundert zu erhalten.“ Diese Ziele sind größtenteils inhaltlicher Natur, jedoch sollen die insgesamt 5,5 Milliarden Euro aus dem DigitalPakt Schule für technische Infrastruktur wie schnelles Internet, die Anschaffung von Smartboards und anderen digitalen Anzeigegeräten verwendet werden.

Über Investitionen in bessere Ausstattung sollte es keine Diskussionen geben, sie sollten selbstverständlich sein. Zugleich muss aber – und hieran mangelt es derzeit – die Debatte die aktuellen Fächer und Inhalte im Kontext digitaler Technologien hinterfragen. Digitale Kompetenz im Sinne von verantwortungsvollem Umgang und Demokratieerhalt erlernt man nicht, in dem man die gleichen Inhalte nicht mehr mit Kreide auf eine Tafel, sondern mit dem Finger auf ein Tablet schreibt.

Schülerinnen und Schüler sind im Umgang mit den digitalen Werkzeugen zumeist deutlich geschickter als ihre Lehrkräfte. Wer kennt es nicht: Die Lehrperson verzweifelt schon beim Versuch, den Beamer einzuschalten, bevor Hilfe aus der Klasse kommt. Darüber hinaus sind die genutzten Geräte im privaten Umfeld häufig deutlich aktueller. Bis die Schulen beispielsweise Tablets eingerichtet und etabliert haben, gibt es im Privathaushalt schon die übernächste Generation. Es geht also nicht um das Erlernen des Umgangs mit neuen Technologien, sondern um inhaltliche Konzepte.

Mit neuen Technologien werden alte Inhalte gelehrt. Die Rolle und Funktionsweise der angewandten Technik selbst wird nicht hinterfragt oder gelehrt, sondern von einer neutralen Technik ausgegangen. Dabei erscheint es geradezu paradox, dass als Vorteile der neuen Technologien gleichzeitig eine effektivere Kontrolle der Lernfortschritte, dichtere Vernetzung und praxisorientierte Simulationen genannt werden. Die Aufklärung zu den Algorithmen hinter den neuen Lehrprogrammen fehlt in den Lehrplänen. Wie wird beispielsweise berechnet, inwiefern Lernfortschritte gemacht werden?

Der DigitalPakt Schule folgt dem hehren Grundsatz „Keine Ausstattung ohne Konzept“, weil nur passende pädagogische Konzepte den Aufbau von digitalen Lerninfrastrukturen langfristig sinnvoll werden lassen. Das klingt einleuchtend, aber die reale Umsetzung ist noch weit davon entfernt. Es gilt, an der Basis der Fächerstruktur und Lehrpläne anzusetzen. Die bereits existierenden Leitperspektiven der Bildungspläne bieten eine gute Orientierungsgrundlage, jedoch sollten je Fach anwendungsbezogene Fragen gestellt werden nach der Formel: Fachwissen + Digitale Anwendung.

Worum es heutzutage gehen muss, ist eine Vermittlung von Kontextwissen, indem die bereits existierenden technischen Kompetenzen in eine Beziehung zu außertechnischen Erfahrungen im Zusammenhang mit politischen, kulturellen oder existenziellen Anwendungen gesetzt und diskutiert werden. Die Schulen sollten ein Grundverständnis der Funktionsweisen einzelner Programme erzeugen und die Kompetenz, diese zu hinterfragen: Welche Algorithmen liegen Facebook zu Grunde? Wie finanzieren sich die vordergründig kostenlosen Netzwerke? Wie funktionieren Cloudsysteme, neuronale Netzwerke, maschinelles Lernen, Big Data, Statistik und mathematische Rechenvorgänge im Programmieren? Welche Interessen verfolgen Privatunternehmen oder staatliche Einrichtungen im Rahmen von digitalen Investitionen?

Über den Autor

Johanna Racky

Die Autorin studiert BWL im Master an der Uni Freiburg mit dem Schwerpunkt Public and Non Profit Management. Dabei interessiert sie sich vor allem für Digitale Innovationen und Social Entrepreneurship.

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