Sharing is Caring? Die Herausforderung „Airbed and breakfast“ (Airbnb)

Seit einigen Jahren sorgen die „Homesharing“-Anbieter Airbnb und Co. für medialen Wirbel. Stadtverwaltungen, Finanzämter und vor allem die Mieterinnen und Mieter kritisieren die Angebote, weil sie Wohnraumknappheit und steigende Mieten verursachen. Klarere Regeln könnten die schlimmsten Auswüchse eindämmen, doch dazu müssen noch viele Hürden überwunden werden.

Die Grundidee von „Luftmatratze und Frühstück“, wie Airbnb ins Deutsche übersetzt heißen würde, klingt verlockend: Mieterinnen und Mieter können ihren Wohnraum kurzzeitig vermieten, wenn sie ihn aus unterschiedlichen Gründen gerade nicht nutzen. Damit haben sie einerseits die Möglichkeit, ihre Mietkosten zu reduzieren, und bieten andererseits Touristen eine authentische Übernachtungsmöglichkeit in ihrer Stadt.

In Zeiten des zunehmenden globalen Tourismus finden sich jedoch in beliebten Reisezielen wie Barcelona, Venedig oder Berlin immer mehr Angebote sogenannter Supervermieter. Diese Anbieter konzentrieren sich auf die Vermietung einer größeren Zahl von Wohnungen und Appartements ausschließlich über Airbnb oder ähnliche Portale. Ein Großteil der Kritik, die stärkere Regeln für die Vermietung privater Unterkünfte an Touristen fordert, gilt diesen Anbietern, deren Angebote nicht privater, sondern rein kommerzieller Natur sind.

Doch was genau heißt schon „kommerziell“? Bei der Forderung strengerer Gesetze scheinen die Kritiker sehr genau zu wissen, wie man die Nutzerinnen und Nutzer, die ihre Wohnung „idealtypisch“ – also kurzzeitig z.B. während ihres Urlaubs – vermieten, präzise von den Vermietern großer Wohnungsbestände trennen kann. Letztere tragen in zentralen Stadtteilen zu Gentrifizierung, steigenden Mieten und knappem Wohnraum bei. Für die Ordnungsämter der Städte ist diese Unterscheidung allerdings eine personalaufwendige Herausforderung.

Für die Vermieter sind die Anreize klar gesetzt. Das kurzzeitige Vermieten von Wohnungen bringt einen deutlich höheren Gewinn als die langfristige Vermietung. In der Hauptreisezeit kann an attraktiven Standorten an einem Wochenende mehr als eine Monatsmiete von „normalen“ Mieter erwirtschaftet werden. Immer mehr bezahlbarer Wohnraum geht so verloren und die Vermieter sind kreativ bei der Umgehung von lax kontrollierten Regeln. Hinzu kommt die Hürde, dass vielen Städten der Zugang zu den Daten über Vermietungen von Appartements bei Airbnb fehlt. Homesharing wird damit zu einer immer größeren Herausforderung für Wohnungssuchende. Das Idealbild einer gemütlichen kleinen Gemeinschaft von Wohnungstauschenden existiert nicht mehr.

Ein Vorreiter im Kampf gegen Kurzzeitvermietungen ist Barcelona. Als eine der ersten Städte weltweit konnte Barcelona das Datenproblem lösen und sich umfassenden Datenzugang bei Airbnb sichern. Hierdurch werden Kontrolle und Sanktionierung erheblich erleichtert. Bußgelder für unlizenzierte Angebote bringen eine stärkere Kooperation mit den Behörden und mehr Transparenz mit sich.

Angesichts eines solch scharfen Instrumentariums der Behörden sehen sich viele private Anbieter in ihrem Grundrecht auf freie Geschäftsausübung eingeschränkt. Doch für härtere Regeln sprechen soziale und allokative Gesichtspunkte, die deutlich schwerer wiegen: zunehmende Eigenbedarfskündigungen, Wohnraumknappheit, steigende Mieten und Steuerhinterziehung. Was Barcelona und andere Topziele für Touristen bereits massiv erfahren haben, ist anderswo in Ansätzen ebenfalls zu beobachten und bringt Städte zum Nachdenken über neue Richtlinien zur Vermietung. Obwohl in deutschen Städten das Angebot noch geringer als in anderen Ländern ist, sollten Zustände wie in Barcelona frühzeitig durch Sanktionen gegen nicht lizenzierte kommerzielle Anbieter und Vermittlungsplattformen eingedämmt werden.

Ein zeitgemäßes Gesetz zum Umgang mit Homesharing-Portalen ist also dringend notwendig. Um das gemeinsame Problem vieler Städte zu beheben, müssten diese sich an fortschrittlichen Regelungen wie in Barcelona oder neuerdings auch in Berlin orientieren. Obwohl damit möglicherweise auch kleine private Anbieter aus dem Markt gedrängt werden, sollten Homesharing-Angebote drastisch reguliert und dadurch verringert werden. Erst wenn existierende und ggf. neue – lokale, nationale oder europäische – Regeln wieder eingehalten werden, dürfen Homesharing-Anbieter wieder frei auf den Märkten agieren.

Über den Autor

Jakob Guttenbacher Jakob Guttenbacher studiert Soziologie und VWL an der Uni Freiburg. Im Besonderen interessiert er sich für soziale Ungleichheit und Überwachung sowie die Kombination von sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Perspektiven.

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