Blockchain: Gerechtfertigter Hype oder Energieverschwendung?

Das „nächste große Ding“ im Internet ist die Blockchain-Technologie und sie sorgt gerade für viel Furore. Ihre Anhänger träumen von einem ganz neuen Internet, doch den Beweis ihres revolutionären Potentials bleibt die Blockchain bisher schuldig.

Sind wir gerade Teil einer neuen digitalen Revolution? Oder wird in ein paar Jahren niemand mehr über die Blockchain reden, sondern sich allenfalls an sie als eine zu komplizierte Technologie erinnern, die ein paar, ebenfalls längst verschwundene „Kryptowährungen“ hervorgebracht hat?

Man kann sich, das sei zur Erklärung vorweggesagt, die Blockchain als ein dezentral angelegtes Buchführungssystem vorstellen. In diesem System lassen sich Transaktionen jeglicher Art mithilfe eines komplizierten kryptographischen Verfahrens durchführen, das – zumindest in der Theorie – die Sicherheit gewährleistet und gleichzeitig transparent bleibt. Ein wichtiger Fortschritt ist dabei, dass dies direkt zwischen Menschen geschehen kann, ohne dass staatliche oder private Institutionen zwischengeschaltet werden müssen. Banken, politische Institutionen, die sozialen Medien oder Notare sind nur einige der Akteure, denen man sich im alltäglichen Leben anvertraut (oder anvertrauen muss), damit sie die eigenen Belange gegenüber anderen Menschen regeln.

Die Jünger der Blockchain sehen genau aus diesem Grunde im kryptographischen Design das wahre Gesicht des Internets, so wie es zu Beginn des Internetzeitalters für den Cyberspace angedacht wurde: im direkten Miteinander können die Menschen individuelle Entscheidungsautonomie und einen sicheren Austausch mit anderen Menschen gemeinsam verwirklichen, was im aktuellen Internet nicht möglich ist, weil sich Verträge mit der bestehenden Technologie online weder sicher noch absolut vertraulich abwickeln lassen.

Dies ist eine durchaus reizvolle, fast anarchistisch anmutende Utopie, die im größeren Kontext von NSA-Überwachung, Datenmacht der Internetkonzerne und Hackerangriffen Begeisterung auslösen muss. Wenn dann noch eine greifbare Anwendung der Technologie wie eine Kryptowährung hinzukommt, dann ist ein veritabler Hype schnell am Laufen. So überrascht es nicht, wenn die Blockchain-Technologie sehr viel Geld von Anlegern aus der ganzen Welt anzieht und ein Dauerthema sowohl auf Fachkonferenzen als auch in den Medien ist.

Doch der Hype steht auf einem schwachen Fundament und es gibt gute Argumente für Mäßigung und Vorsicht. Zunächst hat die Blockchain-Technologie ein Energie-Problem. Transaktionen in der Blockchain werden durch einen enormen rechnerischen Aufwand riesiger Computeranlagen und -netze abgesichert. Je mehr Leute auf einer Blockchain aktiv sind, desto mehr Energie muss dabei eingesetzt werden, um die Sicherheit des Systems garantieren zu können. Allein um die beliebte Kryptowährung BitCoin zu betreiben, wird die Energie eines kleinen Landes benötigt. Will man die Blockchain-Technologie großflächig einsetzen, muss die Energiefrage geklärt werden. Insbesondere muss vermieden werden, dass mit ihr private Gewinne auf Kosten der Umwelt und damit aller generiert werden.

Damit in enger Verbindung steht der vermeintliche Vorteil der dezentralen Organisation der Blockchain. Die zur Sicherheit der Blockchain nötige Rechnerleistung kann heutzutage nur noch entweder durch riesige Rechner-Farmen oder durch großflächige Vernetzung privater Computer erreicht werden. Solange diese getrennt voneinander agieren, bleibt die Dezentralität des Systems gewahrt. Doch bei der BitCoin-Blockchain wird die Computerleistung inzwischen zu über 80 Prozent von chinesischen Rechnerpools zur Verfügung gestellt. Sollten sich diese Pools zusammenschließen, etwa auf Druck der chinesischen Regierung, und als einzelner Akteur agieren, dann könnten sie leicht die Kontrolle über die Währung an sich reißen. Man mag sich die dadurch entstehende Machtzusammenballung nicht vorstellen.

Ähnlich gelagert ist auch das Problem der Schnittstelle einer Blockchain zur realen Welt. Zwar ist die Technologie als solche dezentral angelegt, das heißt aber nicht, dass nicht ein Staat den Zugang zur Blockchain kontrollieren könnte. Autoritäre Regime – wie jüngst Venezuela – scheinen gerade Kryptowährungen für sich zu entdecken, um sich mit ihrer Hilfe besser dem Einfluss des globalen Finanzmarktes entziehen und die heimischen Institutionen und Bürger kontrollieren zu können.

Es darf bezweifelt werden, dass die Blockchain zum jetzigen Zeitpunkt geeignet dafür ist, ein subversiver Gegenentwurf für das Internet in seiner heutigen Form zu sein.

 

 

Beitragsbild: Davidstankiewicz [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons

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Robert Lojewsky