Wegwerf-Verbot für französische Supermärkte: Ein Gesetz für die Tonne?

Weltweit werden jährlich bis zu zwei Milliarden Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Die französische Regierung hat nun große Supermärkte per Gesetz verpflichtet, nicht verkaufte Lebensmittel zu spenden. Sinnvolle Maßnahme oder purer Aktionismus?

Die enorme Verschwendung von Lebensmitteln in westlichen Industrieländern wird seit Jahren kritisiert. In Frankreich landen jährlich 30 Kilogramm Lebensmittel pro Kopf der Bevölkerung mit einem Gesamtwert von 20 Milliarden Euro im Mülleimer. Die französische Regierung versucht jetzt, mit einem neuen Gesetz ein Zeichen zu setzen. Supermärkte mit einer Fläche von über 400 Quadratmetern müssen unverkaufte Lebensmittel spenden oder zu Tierfutter verarbeiten lassen. Ziel ist es, bis zum Jahr 2025 die Anzahl der weggeworfenen Lebensmittel zu halbieren.

Obwohl das Gesetz prinzipiell als eine logische und sinnvolle Maßnahme gegen die extreme Lebensmittelverschwendung erscheint, gibt es heftige Kritik, die vor allem von Seiten der Händler in Frankreich kommt. Diese beanstanden, dass das Gesetz die Falschen trifft. Der Anteil an Lebensmittel, die von Großhändlern weggeschmissen werden, betrage gerade einmal 5 Prozent. Es seien vielmehr die privaten Haushalte, Restaurants und kleinere Supermärkte, die für den Hauptteil der Verschwendung verantwortlich sind. Folglich sei es viel wichtiger, die gesetzlichen Maßnahmen gegen diese Gruppen zu richten.

Tatsächlich wäre die konsequente Aufklärung und Schulung von Verbrauchern eine hilfreiche Möglichkeit, um die Lebensmittelverschwendung zu verringern. Vor allem den Haushalten kann und muss ein bewusster und sparsamer Umgang mit Lebensmitteln vermittelt werden. Ein wichtiger Punkt hierbei ist das Mindesthaltbarkeitsdatum. Viele Konsumenten werfen Lebensmittel weg, deren Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist, die aber nach wie vor noch genießbar sind. Eine gezielte Aufklärung würde dabei helfen, das Bewusstsein der Endverbraucher zu sensibilisieren. Auch die Aufklärung in Schulen ist eine Möglichkeit, den bewussten Umgang mit Lebensmittel zu vermitteln. So können Kinder schon von klein auf lernen, wie sie am besten mit ihrer Nahrung umgehen.

Ein weiterer Kritikpunkt, den Frankreichs große Handelsketten äußern, ist, dass der Zwang Lebensmittel zu spenden verfehlt ist, weil die Ketten schon jetzt die größten Spender von Lebensmittel sind. Die meisten Großmärkte arbeiten eng mit verschiedenen Hilfsorganisationen wie den Tafeln oder den Restaurants des coeurs zusammen. Das heißt, das Gesetz verpflichtet Großmärkte zu etwas, was sie bereits auf freiwilliger Basis tun.

Gerade diese Tatsache lässt den Eindruck entstehen, dass die französische Regierung das Gesetz gegen die Lebensmittelverschwendung vor allem deshalb verabschiedet hat, um den Eindruck zu erwecken, dass sie aktiv gegen den hohen Lebensmittelverbrauch angeht, während sich de facto kaum etwas verändern wird. Insbesondere findet eine Schonung weiter Gruppen in Bevölkerung und Wirtschaft statt, die eigentlich getroffen werden müssten, um nachhaltige Erfolge zu erzielen. Das Gesetz ist daher in seiner jetzigen Form in erster Linie Aktionismus.

Um diesem Aktionismus zu entkommen, wäre es essenziell, dass nun die richtigen Entscheidungen an den richtigen Stellen getroffen werden. Die Verbraucher, Restaurants und kleineren Supermärkte müssen gezielt angesprochen werden, um die dortige Verschwendung zu bekämpfen. Das Gesetz müsste zwingend auch für kleinere Supermärkte gelten. Bei Restaurants und privaten Haushalten müsste das Hauptaugenmerk auf der „Erziehung“ der Konsumenten gelegt werden, da es sich bei den dortigen Abfällen hauptsächlich um Speisereste handelt, welche nicht weiter verwertet werden können. Nur mit einem umfassenden nationalen Plan gegen die extreme Lebensmittelverschwendung, der natürlich seinen Preis hätte, könnte die französische Regierung beweisen, dass sie in diesem wichtigen Politikfeld wirklich etwas erreichen will. Gelingt dies, kann die Regierung als Vorbild für viele weitere Länder dienen. Ruht sie sich jedoch auf dem momentanen unzulänglichen Gesetz aus, wird sie sich den Vorwurf des puren Aktionismus gefallen lassen müssen.

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Janik Fechner

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