Hayek liebt Bitcoins!

Bitcoins sind eine neuartige digitale Währung, die seit 2009 im Internet verfügbar ist und seitdem für hitzige Debatten sorgt. Vor allem die rasante Achterbahnfahrt des Kurses der Währung hat viel Aufmerksamkeit in den Medien und der Blogosphäre auf sich gezogen. Doch auch aus wissenschaftlicher Sicht lassen sich spannende Fragen stellen: Wie rechtfertigt das neue virtuelle Geld eigentlich seine Daseinsberechtigung, wenn es doch bereits genügend andere „herkömmliche“ Zahlungsmittel gibt? Haben Bitcoins die gleichen Eigenschaften wie „normale“ Währungen? Und was hat der große Ordnungsökonom Friedrich August von Hayek mit Bitcoins zu tun? Ein Vergleich von Bitcoins und dem Euro liefert zu diesen Fragen faszinierende Einblicke und Antworten.

Praktisch gesehen verhält es sich mit Bitcoins nicht viel anders als mit gesetzlichen Zahlungsmitteln wie dem Euro. Besitzt man Bitcoins oder Euros, dann kann man damit überall dort, wo sie akzeptiert werden, Waren und Dienstleistungen kaufen (bei den Bitcoins bedeutet dies, dass in Onlineshops eingekauft werden kann). Zugleich steht weder den Bitcoins noch dem Euro ein größerer materieller Gegenwert gegenüber: Euros bestehen (immerhin) aus Metall oder Papier, während Bitcoins reine Daten sind. Auch gibt es keine direkte Deckung der Währungen durch einen materiellen Wert wie Gold, in den sie jederzeit eingetauscht werden könnten. Wenn diesen Währungen also ein Wert beigemessen wird, dann einzig und allein durch das Vertrauen, das von den Anlegern in sie gesetzt wird. Es ist ein Vertrauen vor allem darauf, dass man jeder Zeit einen realen Gegenwert in Form von Gütern oder Dienstleistungen für das gehaltene Zahlungsmittel, Bitcoins oder Euro, bekommen kann.

Wenn aber Bitcoins und Euro im Prinzip gleich sind und Vertrauen für beide Währungen von solch existenzieller Bedeutung ist, wie kann es sein, dass Bitcoins zusätzlich zum etablierten Euro, der zudem das gesetzliche Zahlungsmittel der Eurozone ist, entstanden sind und auch noch immer populärer werden (seit Jahresbeginn hat sich die Nutzerzahl verdoppelt)? Ein noch genauerer Blick auf das Bitcoins-System kann dabei helfen, hierauf auch und gerade vor dem Hintergrund der Eurokrise Antworten zu finden. Diese Antworten erlauben im Lichte von Hayeks Theorie des staatlichen Geldmonopoles neue spannende ordnungs- und geldpolitische Einsichten.

Zunächst weist das Bitcoins-System die geldpolitische Besonderheit auf, dass es eine Geldmengen-Schranke eingebaut hat. Es können maximal 21 Millionen Bitcoins in Umlauf gebracht werden und kein einziger mehr! Diese Deckelung hilft, Inflation zu verhindern. Im System der Bitcoins gilt eben nicht die Devise, dass Geldschöpfung nach Bedarf und per Knopfdruck jederzeit möglich ist, so wie es der Europäischen Zentralbank (EZB) momentan vorgeworfen und was als „Inflationspolitik“ gebrandmarkt wird. Darüber hinaus hat das Bitcoins-System Vorteile, das Vertrauen ihrer Nutzer zu stärken. Die EZB kämpft mit dem Problem eines durch Inflationsängste geschürten Vertrauensverlusts der Bürger gegenüber ihrer Geldpolitik, weil diese von den Nationalstaaten zu leicht beeinflussbar ist. Eine Beeinflussung von außen wie beim Euro ist bei den Bitcoins nicht möglich, da sie nicht zentral gesteuert werden, sondern völlig dezentral bei den Nutzern geschaffen werden.

An dieser Stelle wird die Verbindung zu Friedrich August von Hayek unmittelbar sichtbar, der die Bereitstellung von dezentralen Zahlungsmitteln vertrat und sogar die Einrichtung von Wettbewerbswährungen befürwortete. Hayek würde sich in diesem Punkt eindeutig bestätigt fühlen und Bitcoins sogar selber benutzen! Der theoretische Hintergrund für dieses Ergebnis ist, dass der Wettbewerbsdruck, der auf einem potenziellen „Markt für Währungen“ entsteht, hochgradig disziplinierend wirken und dafür sorgen würde, dass nur die „fittesten“ Währungen bestehen bleiben. Hayek warf den Zentralbanken schon im Jahr 1978 ihre Zentralität und die damit einhergehende leichte Beeinflussbarkeit vor. Seiner Meinung nach war (und ist) eine funktionierende Geldpolitik unter solchen Umständen de facto unmöglich.

Natürlich ist die Existenz einer digitalen Währung wie den Bitcoins keine ultimative Lösung für die geldpolitischen Probleme Europas und ob Hayek sie wirklich nutzen würde, sei dahingestellt. Zum einen liegt das an der Begrenzung der Menge der verfügbaren Bitcoins (hier ist eine gewisse Ähnlichkeit zum Goldstandard erkennbar). Zum anderen ist das Problem möglicher Sicherheitslücken im System nicht trivial. Darüber hinaus besteht ein hohes Spekulationspotential und die Nutzung des Systems für kriminelle Geschäftstransaktionen oder die Verschleierung von Steuerhinterziehung und Geldwäsche lässt sich nicht völlig ausschließen (allerdings lassen sich solche kriminellen Machenschaften auch bei anderen Währungen und insbesondere auch bei Bargeld nicht ausschließen). Gleichwohl stellen die Bitcoins und andere digitale Währungen einen äußerst interessanten Versuch dar, Hayeks Ideen in der Realität auf die Probe zu stellen. Wenn die Bitcoins & Co. relativ zu den etablierten Währungen stark an Bedeutung gewinnen (und dies ist zumindest in Ansätzen zu erkennen), dann erfährt Hayeks Theorie eine schöne empirische Bestätigung!

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Matthias Bujko

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